Der Hauptgang fehlt noch
Gedankenverloren schaut der Mann in die Ferne. In seiner Nase steckt der vordere Teil einer Möhre, der Rest ragt aus dem Ohr. Ein anderer trägt eine Spaghettifrisur, eine Brillenträgerin hat Tomaten auf den Augen, den Hals einer jungen Dame kleidet ein Kollier aus rohem Fleisch. Die Bilder der nur mit Nahrungsmitteln bekleideten Schauspieler (auf anderen halten sie uns leere Teller entgegen) schmücken großformatig das Grillo-Theater in Essen. Kommentiert werden sie mit den Worten: «Mit Essen spielt man nicht» und dem Nachtrag «Für Essen schon».
Die Spielzeit des neuen Intendanten Christian Tombeil beginnt mit einem Kalauer, der provozierend in Szene gesetzt wird. Weniger provokativ, vielmehr ziemlich zahm klingt, was Tombeil im Spielzeitheft ankündigt: «nicht jede Idee schon im Keim durch die Angst vor möglichen finanziellen Auswirkungen zu ersticken». Die bösen Zungen, die vermuten, er sei deshalb zum Intendanten ernannt worden, weil er sich mit den drastischen finanziellen Kürzungen, die die Stadt dem Schauspiel auferlegt hat, allzu leicht arrangiert habe, wird er damit kaum besänftigen.
Essener Sparzwang
Doch Tombeil tritt in vielerlei Hinsicht kein leichtes Erbe an: Sein ...
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Eine schöne Bescherung ist das, Himmel noch mal!», stöhn-raunzt Thomas Thieme gleich zu Beginn, als würde er im Studio gerade begreifen, worauf er sich da eingelassen hat. Denn für die fünfeinhalb Stunden des wohlgemerkt nur ersten Teils von Cervantes’ parodistischem Ritterroman steht ihm noch einiges bevor als Ko-Erzähler, Sancho Pansa und treffend besetzter...
Der Dezember bringt erstaunliche Zeitreisen zurück ins 20. Jahrhundert, als die Welt noch übersichtlicher war; vor allem in Amerika, damals noch unbestrittene Nummer 1 als Weltwirtschaftsmacht. Mit allen dazugehörigen Klassenausdifferenzierungen, von den Wanderarbeitern in John Steinbecks Roman «Früchte des Zorns» (1939), den Armin Petras fürs Berliner Gorki...
Der Konjunktiv hat auf der Bühne im Grunde nichts verloren. Indirekte Rede und Schauspiel, das passt eigentlich nicht zusammen. Kathrin Röggla schrieb ihre letzten beiden Theatertexte, «worst case» und «Die Beteiligten», trotzdem im Konjunktiv. Ernst Jandl hat das in seiner Sprechoper «Aus der Fremde» schon vor dreißig Jahren gemacht. Aber während es Jandl darum...
