Schöne Bescherung
Eine schöne Bescherung ist das, Himmel noch mal!», stöhn-raunzt Thomas Thieme gleich zu Beginn, als würde er im Studio gerade begreifen, worauf er sich da eingelassen hat. Denn für die fünfeinhalb Stunden des wohlgemerkt nur ersten Teils von Cervantes’ parodistischem Ritterroman steht ihm noch einiges bevor als Ko-Erzähler, Sancho Pansa und treffend besetzter Gegenspieler von Rufus Beck.
Der spricht den von einem verarmten Adligen erfundenen Ritter mit der kunstvollen Eindringlichkeit eines Märchenerzählers, der vollkommen in dem aufgeht, was er sich als Berichtender gerade einbildet – und somit anscheinend selbst erlebt. Der Mann hat zu viele Ritterabenteuer gelesen, und nun quillt ihm die niedere Wirklichkeit zur vermeintlich höheren Realität.
Ohne Schnörkel in der Zeit
Mit dieser Besetzung (dazu Anna Thalbach) gelingt nicht nur eine extrem stimmfarbige Sicht auf dieses berühmte Paar der Weltliteratur, sondern in der Dramaturgie von Erzählen und Dialog auch ein kaum erwarteter Fluss zwischen konkret Episodischem und der barock merkwürdigen Erzählanlage samt zeilenlanger Kapitelüberschriften aus der Verdichtung dieses panoramatischen Werks. In der Neuübersetzung von Susanne ...
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Sehr hoch, sehr rot sind die Lackpumps, mit denen der geschniegelte römische Abgesandte Ventidius um die barfüßige germanische Fürstengattin Thusnelda wirbt. Auf diesen hohen Hacken überragt die majestätische Wiebke Puls ihren Hermann um Haupteslänge, und wenn Peter Kurth, die gewaltige Wampe selbstbewusst vorgestreckt, sie zum Kuss zu sich herabzieht, befindet er...
Der Konjunktiv hat auf der Bühne im Grunde nichts verloren. Indirekte Rede und Schauspiel, das passt eigentlich nicht zusammen. Kathrin Röggla schrieb ihre letzten beiden Theatertexte, «worst case» und «Die Beteiligten», trotzdem im Konjunktiv. Ernst Jandl hat das in seiner Sprechoper «Aus der Fremde» schon vor dreißig Jahren gemacht. Aber während es Jandl darum...
Romantik, Porno, Stress, Job, Liebe, Wehwehchen und manches mehr spult ab im Vorspann, der eine rasant montierte Motivkette bildet, die für mehrere Filmgeschichten reichen würde. Die folgenden zwei Stunden übertrumpfen das noch. An Fantasie mangelt es Tom Tykwer nie, gelegentlich wirkt diese spendable Verschwendung ein wenig unökonomisch. «Drei» ist die Synthese...
