Völlig losgelöst
Romantik, Porno, Stress, Job, Liebe, Wehwehchen und manches mehr spult ab im Vorspann, der eine rasant montierte Motivkette bildet, die für mehrere Filmgeschichten reichen würde. Die folgenden zwei Stunden übertrumpfen das noch. An Fantasie mangelt es Tom Tykwer nie, gelegentlich wirkt diese spendable Verschwendung ein wenig unökonomisch. «Drei» ist die Synthese aus «Lola rennt» (formal spielerisch und berlinerisch), dem Schicksalsdrama «Der Krieger und die Kaiserin» und der metaphysisch abhebenden Romanze «Heaven»; und so etwas wie ein jugendliches Alterswerk.
Stets waltet bei Tykwer der Zufall als Notwendigkeit und höhere Logik, um eine Kommunion der Körper herbeizuführen. Dafür wird in einer Art Prolog auf abstrakter Bühne ein Pas de trois getanzt: zwischen zwei Männern und einer Frau, der «Jules et Jim»-Konstellation.
Das Leben kann ganz schön viel und ganz schön unberechenbar sein. Hanna und Simon (Sophie Rois, Sebastian Schipper) sind seit zwanzig Jahren ein Paar und machen das nun auch standesamtlich fest. Er baut mit seiner Firma Kunst-Objekte, sie moderiert Kultur im Fernsehen – und hört zu dem Zweck im Nationalen Ethikrat einen Vortrag zur Chimärenforschung von Dr. Adam ...
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Sexuell gesehen, dürfte die Zukunft den Blattläusen gehören. Die grünen Winzlinge sind da, wo die menschliche Evolution erst noch hin will. Bei der Jungfernzeugung (auf Expertendeutsch: Parthenogenese), einer freudlosen, aber effizienten Form der massenhaften Vermehrung, die praktischerweise ohne Befruchtung auskommt. Sprich: ohne Männer.
In der...
Das Haus, von dem ich erzählen will (und in dem es in mehr als einer Hinsicht nicht mit rechten Dingen zugeht), habe ich im sehr frühen Morgengrauen des 1. August 2007 zum ersten Mal betreten. Tags zuvor war ich in der pannonischen Sommerhitze von Bratislava mit dem Taxi zum letzten Mal durch die Barockstadt zum Flughafen gefahren (meine Möbel, Bücher, Kleider,...
Die griechischen Zuschauer schienen durchaus begeistert, als ein stämmiger weißer Othello mit Fastglatze (Sebastian Nakajew) diesen Sommer in ihrem monumentalen Amphitheater von Epidauros den Golfschläger schwang. Peloponnesische Insider jedenfalls bezeichneten den Applaus, der dem Regisseur Thomas Ostermeier von den antiken Marmorrängen entgegen schlug, als...
