Schlesien ist überall?
Wie wohl hätte man sich heute einen «Weltverbesserer» vorzustellen, einen, der von sich sagt, «mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, so müssten es zuerst alle andern Menschen um mich herum sein»? Getroffen hat man ja schon länger keinen mehr.
Wäre so einer jung und bei Attac, wäre er ein übrig gebliebener 68er, wäre er eine schlaue Mischung aus Naomi Klein und Amartya Sen? Wer Gerhart Hauptmanns Debütstück von 1887 «Vor Sonnenaufgang» wiederbeleben möchte, und das wollten gerade erstaunlicherweise nicht wenige, kommt um diese Frage nicht herum: Wer ist Alfred Loth?
Nicolas Stemann hatte im Januar den Anfang gemacht (s. TH 02/05) und vor allem das inszeniert, was jedem Spielplanbetrachter bei dieser Position als erstes durch den Kopf schoss: Mit Alfred Loth und dem 120 Jahre alten Naturalismus-Skandal um Ausbeutung, Sozialreform und vererblichen Alkoholismus gegen Globalisierung und Hedgefond-Kapitalismus anzuspielen – das geht doch nicht! Stemann nahm dann auch am Wiener Burgtheater den schlichten Gutmenschen nicht sonderlich ernst, der ins schlesische Neureichen-Heim der Familie Krause mit seinem reich eingeheirateten Schulfreund Hoffmann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...
Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten...
Für ein Kinder- und Jugendtheater kann man sich eigentlich keinen passenderen Ort wünschen: Das Haus ist riesengroß und von einem Park mit alten Bäumen umgeben, durch den des Nachts hunderte von Fledermäusen flattern. Es ist eine Mischung aus Spuk- und Märchenschloss, hat Höfe, verwinkelte Gänge und Flure und jede Menge Platz zum Theaterspielen. Der marode Charme...
