Mutwillige Sachunkenntnis
Was ist wichtiger: Theater oder Tagesstätten? Das ist so ungefähr die dämlichste Frage, die man Amélie Niermeyer antun kann – einer Frau, die seit sieben Jahren Erfahrung darin hat, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Stellen wir sie trotzdem, diese dämliche, gefährliche Frage. Sie hat die Noch- und bald Ex-Intendantin in ihren drei Freiburger Spielzeiten begleitet wie ein lästiger Nackenschmerz. Zum Herbst verlässt Amélie Niermeyer die deutsche Südwest-Bühnenecke in Richtung Düsseldorf.
Die Interimssaison bis zum Neustart mit Barbara Mundel verwaltet Stephan Mettin – mit empfindlich geschrumpftem Premierenangebot.
Theater oder Tagesstätten. Wahlweise auch Schwimmbäder. Auf diesem Niveau ist der kulturpolitische Diskurs in Freiburg mittlerweile bruchgelandet. «Natürlich sind Kindertagesstätten erst einmal wichtiger», ärgert sich die Theaterdirektorin über die ihrer Ansicht nach stillose Debatte. «Das kann ich doch gar nicht gegeneinander aufrechnen.» Genau das aber haben der Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) und sein kommunaler Schatzmeister Otto Neideck getan. Aus taktischem Kalkül, versteht sich. Um die widerspenstige Amélie und ihren alles andere als ...
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Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...
Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...
Der traurigste Satz in Dea Lohers an verzweifelten Ausrufen, hilflosem Geplapper, mutlosem Verstummen und endgültigen «letzten Worten» so reichem Stück «Unschuld» steht ganz am Ende: «Ich wäre gerne ein Rettungsschwimmer», sagt der illegale Immigrant Elisio. Aber da ist ja längst niemand mehr da, der sich wirklich helfen lassen würde: All die seltsamen Wesen in der...
