Regiearbeit
Die Legende erzählt, dass die ersten Dramaturgen ihre Büros in vergessenen Dachzimmern hatten. Wenn jemand im Theater mal eine Frage zum Text hatte, musste er sich durch lange Korridore und über Hintertreppen von Etage zu Etage durchfragen, um dann eine scheue Kreatur beinverknotet in alten Texten vertieft vorzufinden, die prompt Antwort wusste. Allerdings vergaß der Bote, meistens ein Praktikant, auf dem langen Weg zurück zur Probebühne, was der Dramaturg gesagt hatte.
Heute sind Dramaturgen näher dran an den Probenprozessen.
Als Produktionsdramaturgen begleiten sie das künstlerische Team und die Schauspieler von der Konzeption bis zur Umsetzung eines Theaterabends. Dramaturgenbüros sind heute vor allem Kommunikationsräume. Manchmal hat man das Gefühl, Zeuge einer Spezialkonferenz zu sein. Vor allem dann, wenn ein Dokumentarspezialist wie Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) und seine Recherchetruppe die Räume belagern. Sie arbeiten in mobilen Büros mit Laptop und Handy, telefonieren und versuchen, Kontakte herzustellen zu sogenannten «Experten des Alltags», deren Biografien bzw. Erzählungen den Zuschauern einen Realitätsausschnitt präsentieren sollen, der eigentlich sonst im ...
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Berlin, 5. Stock VH, DG, meine Wohnung, 07.12.2009, es regnet: Ach, vor Vergangenem habe ich aus vielerlei Gründen große Furcht und begegne hochkommenden Erinnerungen ganz so, wie es missratenen Romanen und plumpen Lügengeschichten gebührt: mit grimmig verachtender Überheblichkeit. Deswegen: Die bemerkenswertesten, wunderbarsten Proben bisher?
Die KOMMEN JETZT,...
Er hatte sich mal wieder gründlich und vermutlich genussvoll im Ton vergriffen, Berlins Lieblings-Buhmann. Als Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin im Oktoberheft von «Lettre international» Berlin eine düstere Zukunft prognostizierte, wenn die Stadt sich nicht schnell und rabiat der Integrationsprobleme insbesondere türkischer und arabischer Zuwanderer annehme, hatte...
An was ich mich an meisten erinnere, wenn wir «Onkel Wanja» spielen, das sind die Wiederaufnahmeproben vor genau einem Jahr im Haus der Berliner Festspiele. Über ein halbes Jahr hatten wir das Stück nicht gespielt, Gosch hatte gerade «Die Möwe» herausgebracht, und sein Gesundheitszustand war deutlich schlechter geworden. Mein Respekt, wieder vor seinen Augen zu...
