Rahel ist süß
Amour fou im mittelalterlichen Spanien: Der erotisch wenig versierte, durch lange Ehe abenteuerlustig gewordene König Alfonso VIII. trifft auf ein unschuldiges und zugleich ganz schön kokettes Mädchen, die junge Jüdin Rahel. Obwohl der König eigentlich jede Menge zu tun hat – es droht Krieg gegen die Mauren –, zieht er sich mit ihr auf sein Lustschloss zurück. Als er sich dann endlich wieder den Staatsgeschäften zuwendet, ist es für die Geliebte schon zu spät: Die Königin hat bereits ihren Tod
beschlossen.
«Die Jüdin von Toledo» ist, nach «Das goldene Vließ» (2004), Stephan Kimmigs zweite Grillparzer-Inszenierung am Burgtheater, und zunächst sieht es so aus, als wollte er das Stück mit dem schweren Regiehammer auseinandernehmen. Das Einheitsbühnenbild (Katja Haß) stellt einen modernen Gerichtssaal (mit viel hellem Holz und dem obligaten Kruzifix an der Wand) dar, und bevor das Stück losgeht, hält Hauptdarsteller Peter Jordan vor der Videoprojektion eines Alpenpanoramas noch ein kleines Impulsreferat zum Thema «Heimat» (Quelle: ein Text von Jörg Haider!).
Zwar ist die politische Dimension des Stücks tatsächlich nicht zu übersehen: Unter anderem wird am Ende aus Staatsräson eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Irgendwann geht ein tropischer Regenguss nieder. Dann legt der Eingeborene seine Schamanenpranke auf den Körper des Mitteleuropäers, worauf der mal kurz vom Scheitel bis zur Sohle zuckt. Der Gute heißt Felix, ist im Moment aber alles andere als glücklich. Da sitzt er doch tatsächlich zusammen mit der Lisa und der Pascale irgendwo in den südamerikanischen Tropen,...
Es ist ein langer Blick zurück, ein Blick auf Ceausescus Regime, das zu Weihnachten 1989 ein rasches Ende fand. Milo Rau hat gemeinsam mit Marcel Bächtiger vom Sturz des rumänischen Diktators und seiner Frau Elena eine Filmdokumentation geschaffen, die einerseits Szenen aus der gleichnamigen Inszenierung wiedergibt und sie mit Ausschnitten von Fernsehberichten...
Der Anfang des Fünfteilers ist für Polen eine Schmerzstelle: «Wir lagen zwischen Moskau und Berlin ... Zweitausend Kilometer weit Berlin / Einhundertzwanzig Kilometer Moskau», denn das besetzte Polen kommt in Müllers Stück über die Spur der Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg mit keiner Silbe vor. Im Teatr Polski wird diese Eröffnung unzählige Male wiederholt und auf...
