Prekariat im Paradies
Kirsten Heisig ist drei Jahre nach ihrem Tod bereits ein wenig aus der öffentlichen Erinnerung verschwunden. Dabei waren die Juristin, ihr «Neuköllner Modell» und das dazugehörige Buch «Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter» 2010 ein echter Aufreger, der durch den überraschenden Selbstmord der Jugendrichterin dramatische Züge annahm.
Paul Brodowsky, der sich in seinen Stücken gerne mit Neukölln beschäftigt, hat den Lebens- und Argumentationsfaden von Kirsten Heisig nun wieder aufgenommen und aus der öffentlichen Reizfigur und persönlichen Tragik einen Bühnenstoff komponiert. Im Kern gesampelt aus Zitaten von Heisig und dem Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky, angereichert mit einigen Autorenspekulationen über die privaten Verhältnisse der alleinerziehenden Richterin, Szenen aus einem therapeutischen Tanzseminar für Neuköllner Problemjugendliche sowie Andeutungen im Geiste der posthumen Verschwörungstheorien, nach denen Heisig ermordert wurde – durch diese überwiegend nüchternen Zutaten gelingt Brodowsky mit «Intensivtäter» ein kompaktes Recherchestück mit stark pessimistischem Grundton.
Dass diese ernsthafte Auseinandersetzung mit Jugendkriminalität ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik Freiburg Theater, Seite 57
von Till Briegleb
Ich habe ihn das erste Mal kennengelernt, da erschien er als Besucher auf einer Probe am Schauspielhaus Bochum. Er schaute dem Treiben zu, auf einem Stuhl hinter dem Rücken des Regisseurs, hatte eine sehr gesunde Gesichtsfarbe und war ein ungewöhnlich freundlich wirkender junger Mann. In meiner Fantasie wirkt es heute so, als hätte er auf Matthias Hartmanns Probe...
Wenn er einen ansah, unter seinen buschigen, kühn gewölbten Augenbrauen hindurch, fühlte man sich ertappt. Fritz Marquardt Aug in Auge standzuhalten, dem gar nicht großgewachsenen Mann, war nicht einfach. Weil man ihm ein reiches, so großes wie bescheidenes Leben mit all seinen Umbrüchen, Widersprüchen, Herausforderungen ansah – er versteckte es nicht, ihm war...
Stefanie Carp Mark, du hast 21 Jahre, von 1983 bis 2004, das Präsentationshaus PS122 geleitet und dann Under The Radar gegründet. Warum?
Mark Russell Es gab eine neue Künstlergeneration im Bereich der Performing Arts, die in ganz neuen Formen und Formaten arbeitete. Ich wollte diesen neuen Künstlern eine amerikanische Plattform geben. Als ich im PS122 aufhörte,...
