Prädemente Denkgymnastik
Es war eine Überraschung, als Wilhelm Genazino vor drei Jahren mit zwei Stücken aufwartete. Immerhin stand er bereits kurz vor der Verleihung des Büchnerpreises, als er sich auch als Theaterautor outete und in zwei Stücken mit Tränensäcken, Bierbäuchen, Warzen und Altersflecken aufwartete. Der sich auflösende Körper bestimmte derart den Ton seiner späten Dramatik, dass man Beifall zollen wollte, gab er doch den wackeren Quichotte und schwang das Pappschwert gegen die zeitgeistige Körperbesoffenheit.
Als «Lieber Gott mach mich blind» dann beim Heidelberger Stückemarkt in szenischer Lesung zu hören war, wurde allerdings auch deutlich, dass die immergleichen syntaktischen Wendungen und ein durchgängig sarkastischer Ton durchaus einschläfernd wirken können.
Man weiß sehr schnell, dass es nur um die Vergänglichkeit des Lebens und sonst gar nichts geht. Das ist auch jetzt so, da Roberto Ciulli Genazinos «Der Hausschrat» zur Uraufführung gebracht hat und mit Sophie und Karl zuerst einmal zwei Mittfünfziger in einem biederen Wohnzimmer platzieren musste. Die beiden entsprechen auf keinen Fall gängigen «Fit for Fun»-Standards. Er ist das klassische Couchpotato, verfolgt einen ...
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Im Rahmen der Berlinale gab es zwei große Galas mit Stummfilmen, einer 1920/21 in Deutschland gedreht, der andere 2006 in Kanada, beide mit Orchesterbegleitung in Theaterhäusern präsentiert. Der alte war «Hamlet» von Svend Gade und Heinz Schall mit Asta Nielsen in der Titelrolle, der neue «Brand Upon the Brain!» von Guy Maddin mit Isabella Rossellini als...
Die Angst, aus dem Zusammenhang zu fallen, plötzlich in der Luft zu hängen, fremd im eigenen Leben, ist wohl eines der am besten verdrängten und doch mächtigsten Traumata unserer hypervernetzten Gesellschaft. Wie besessen klammern wir uns an die Fetische der totalen Kommunikation, wollen ständig online und erreichbar sein, doch hinter all dem lauert die latente...
L’origine rouge» von Valère Novarina wurde 2000 in Avignon uraufgeführt. Leopold von Verschuer, der damals mitspielte, hat jetzt die Riesenarbeit übernommen, das Stück ins Deutsche zu übersetzen, in Zürich zu inszenieren und selbst auf der Bühne zu stehen. Mehrere Lanzen werden im Theater Neumarkt gebrochen für den 1947 in der Westschweiz geborenen und in...
