Phantomschmerz BRD
Ja, warum regt sie sich eigentlich so auf? Die nette Lotte aus Remscheid hat offenbar schon ein paar Likörchen intus und hadert sehr aufgekratzt mit sich und ihrem freud- und anschlusslosen kleinen Marokko-Urlaub. Nun sind elf langweilige Tage in Agadir sicher kein reines Vergnügen, aber Weltuntergänge sehen trotzdem anders aus.
Botho Strauß’ monologintensives Stationendrama «Groß und klein» hat zehn Szenen-Haltestellen, und jede ist eine Zeitreise rückwärts in die späten Siebziger, als der schöne Stillstand der alten Bundesrepublik die Empfindsamkeit der Seelen auf neue Höchststände getrieben und so manchen Bauchnabel zum Zentralgestirn des Universums empor romantisiert hat. Man nannte das damals Innerlichkeit. Wer das Stück heute wieder auf die Bühne bringt, muss sich unweigerlich entscheiden, wie ernst er das Elend der zwischenmenschlichen Kälte, an dem sich die gute Lotte einen Gemüts-gefrierschock nach dem anderen holt, wirklich nehmen will. Und wie ernst man sich danach selbst noch nehmen kann.
Regisseurin Barbara Frey hat sich für eine tollkühne Doppelstrategie entschieden: Sie nimmt zusammen mit Nina Hoss Lottes Leiden sehr ernst, die Menschen, an denen sie leidet, jedoch ...
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Liebe Leserin, lieber Leser, die freundliche Anfrage, eine Gegenkritik zu den Besprechungen über «Die Stadt und Der Schnitt» zu verfassen, hat mich gefreut. Ein solcher Text kann allerdings nur von jemandem geschrieben werden, der die Kritiken auch gelesen hat. Tatsächlich habe ich dies nicht – direkt nach Premieren lese ich nie Kritiken, sondern warte damit ein...
Theater heute Signa Soerensen und Arthur Koestler, Sie sind beim diesjährigen Theatertreffen sicher mit dem ungewöhnlichsten Projekt vertreten. «Die Erscheinungen der Martha Rubin» sind eine Performance-Installation, in der Sie, ursprünglich für die Kölner Halle Kalk, eine eigene Welt erschaffen haben: Rubytown, ein Dorf im Niemandsland, bevölkert von dreißig...
Welch herrlicher Zeitgeist-Quark aber auch! Reden wir nicht lang rum: Peter Steins enthemmte Schiller-Liebedienerei am «Wallenstein» war für mich die schlimmste Theatertortur seit langem; ein monströser, maßloser Theaterschreckensstreich von (die Pausen mitgerechnet) zehnstündiger Dauer. Der Großschauspieler und Titelrollenausfüller Klaus Maria Brandauer trumpfte...
