Oscar Wilde: «Bunbury»
Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine romantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und Gurken-Sandwiches sind meinungsbildend. Etikette ist keinesfalls Selbstzweck, sondern Lebensanspruch geworden.
Geld dient dem Verjuxen – wenn man nicht gerade auf einem Bahnhof oder in einer Reisetasche auf die Welt gekommen ist. Die Familie, der richtige Stallgeruch, sollten stets stimmen, Bildung ist völlig sekundär, chic sein ist alles. Charakter braucht man letztlich, um sein anderes «Ich» zu erfinden, damit die Grenzen der eigenen Lust- und Moralvorstellungen geweitet werden und bestenfalls eben für den anderen gültig bleiben. «Ich» und «Es» auf der Suche nach dem nächsten Kick, nichts gilt mehr, alles kann behauptet werden. Und schon gehen Erziehung und Kirche höchst eigennützige erotische Verwicklungen ein, und selbstverfasste Trivialliteratur wiegt mehr als Schutzbefohlene. Ein Spiel ohne Grenzen, mit ...
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Im strahlenden Sonnenschein eilt Katie Mitchell zum Treffpunkt National Theatre Bühneneingang. Etwas zu spät wegen dringender Bankgeschäfte – das Wort Island fällt –, etwas in Eile, weil sie in ein paar Stunden der Presse ihr frischgeschriebenes Buch «The Director’s Craft» vorstellen wird. In ihrem Rucksack schwere Wälzer anderer Natur: Sie recherchiere gerade zwei...
Andreas Beck eröffnet seine zweite Spielzeit als Intendant des Wiener Schauspielhauses mit zwei Stücken, in denen Autoren aus der Generation Golf Menschen aus der Generation Golfclub beschreiben. Inhaltlich sind sich die Texte von Anja Hilling (geb. 1975) und Volker Schmidt (geb. 1976) nahe; in beiden Stücken werden (Beziehungs-)Probleme unter Besserverdienern von...
Eva Behrendt Ist der Kapitalismus jetzt vorbei?
Harald SchmidtDer Kapitalismus blüht mehr denn je. Und er funktioniert! Wer Fehler macht, fliegt vom Markt. Jede Firma, die zusammenkracht, zeigt, dass die Marktwirtschaft funktioniert.
EB Auch wenn der Staat das Zusammengekrachte wieder aufkehren muss?
Schmidt Die Frage ist ja, ob das Zusammengekrachte sich aufkehren...
