Henriette Schmidt, Frank Damerius und Elke Wollmann; Foto: Marion Bührle
Nürnberg: Wenn die Luft knapp wird
Kein bisschen ist zu spüren vom Schrecken des Eises und der Finsternis in Jörn Klares Monodrama «Höhenrausch». Da schickt er einen Extrem-Bergsteiger hinauf in die absolute Einsamkeit, lässt ihn an Leib und Seele spüren, dass man ein Nichts ist in diesen Weiten und dieser schroffen Leere, über der die Endlosigkeit liegt – und der wackere Kletterer hat nicht viel anderes im Sinn als über verpeilte Lieben und verpasste Chancen auf sicherem Grund und Boden nachzudenken.
So, wie ihm mit der Zeit die Luft knapp wird, gehen Klare die Ideen aus: Was könnte wohl einer denken und fühlen, der sich hoch oben über der Welt aufhält und gar nicht mehr so recht weiß, warum er die ganzen Strapazen auf sich genommen hat?
Man erfährt es nicht in diesem mächtigen Text-Brocken, den der Schauspieler Julian Keck ganz alleine zu bewältigen hat: ein Auf- und Abstieg durch unwegsames Gedankengelände, ein Antippen philosophischer Überhänge und ein Abseilen an Erinnerungen. Dass sie nicht hoffnungslos stürzt, diese kaum greifbare Figur, liegt an Keck, der sich ganz ohne Sauerstoffgerät heftig bemüht, zwischen gespielter Überanstrengung und schwindendem Bewusstsein eine einigermaßen glaubhafte Balance zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Bernd Noack
Als Frank Castorfs Intendantenvertrag an der Berliner Volksbühne nach 25 Jahren nicht verlängert wurde, brach eine Kampagne los, die es dem Nachfolger nicht einfach macht: Aber wie startet Chris Dercon wirklich?
Schwerpunkt Dramaturgie: Ein Gespräch mit Rita Thiele (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) und Katja Herlemann (Schauspiel Leizig) sowie Thesen von Nikolaus...
Auch Gazprom hatte seine Finger (oder Gelder) im Spiel, verrät der Abspann nach 130 «Mathilde»-Minuten. Wie auch das Bolschoi-Theater und sein Chef Wladimir Urin, der gerade in vorauseilendem Gehorsam die Premiere des «Nurejew»-Balletts, inszeniert von Kirill Serebrennikow, abgesagt hat. Man kann nur spekulieren, aber manches spricht dafür, dass diese...
Nur zum Verständnis: Man darf von einem Kompendium namens «Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch» nicht erwarten, selbst komisch zu sein. Aber auch für akademische Verhältnisse kommt der vom Gießener Literaturwissenschaftler Uwe Wirth herausgegebene Band recht trocken daher. Freilich ist es natürlich eine Frage der wissenschaftlichen Seriosität, zunächst über rund...
