Nimm das, Nachhaltigkeit!
Ganz schön abgezockt: Da gewinnt ein Jungautor gleich mit seinem Debüt den Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarktes – und dann lässt er in eben diesem Auftragsstück einen Jungautoren, dessen Biografie an seine eigene erinnert, ausgiebig über das kreativitätsfeindliche Stückauftragswesen jammern.
Zunächst scheint es um die Unsinnigkeiten eines Theatermarktes zu gehen, der von jungen Autoren «große Themen» und «Nachhaltigkeit» verlangt – «Intimität ist Gift!» – und dann doch nur Jahrestage abfeiern möchte, zum Beispiel 20 Jahre Wende.
Dann schleicht sich eben dieses nachhaltige Thema durch die Hintertür herein. Denn «Kein Schiff wird kommen» handelt davon, dass der namenlos bleibende Autor auf seine Heimatinsel Föhr reist, um mangels eigener Mauerfall-Erinnerungen seinen Vater zu befragen. Dabei wird en passant die Kluft zwischen der kollektiven Großformat-Erinnerung und der Banalität des Alltags vorgeführt – die einzige authentische Föhr-Anekdote kommentiert der Sohn verächtlich: «Das ist doch pure Zeitverschwendung! Das hat alles überhaupt keine Brisanz!»
Da blitzt kurz mal Stockmanns Credo auf, dass im Kapitalismus alle Lebensbereiche von merkantilem Denken (in diesem Fall ...
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Bernd Noack Eines der berühmtesten Argumente, warum die Stücke Shakespeares nicht von Shakespeare sind, beruht darauf, dass so viele der Dramen in Italien spielen. Und wie kann ein Autor, der noch nie in Italien war, so viel über das Land und die italienische Atmosphäre wissen? Andererseits: Karl May war auch nie in Amerika ...
Frank Günther Genau, ein großes...
Eva Behrendt: Frau Leysen, wenn man sich das «Theater der Welt»-Programm anschaut, das Sie kuratiert haben, fällt auf, dass die üblichen Genrebezeichnungen gar keine Rolle mehr spielen. Sie haben sogar neue erfunden, etwa ein «Mülheimer Gesellschaftsspiel» oder «Dokufiktionspanel» oder «Endzeitszenario-Konzert» usw. Was für eine Idee steckt dahinter – wollten Sie...
Für einen war die bisherige Spielzeit schon mal ergiebig: Bertolt Brecht. Sein Lehrstück in Sachen Spekulation und Menschenliebe, die «Heilige Johanna der Schlachthöfe», avancierte zum Krisengewinnler der schon nicht mehr ganz frischen Saison – und steht diesen Monat wieder in der Regie von Frank Abt auf dem Spielplan des Jungen Theaters in Göttingen. Das Hamburger...
