God shave the Queen

Wer war Shakespeare? Immer wieder ins Gespräch gebracht: der Earl of Oxford. Shakespeare-Übersetzer Frank Günther ist ganz anderer Meinung: Es war die Queen herself! Ein Gespräch mit Bernd Noack

Theater heute - Logo

Bernd Noack Eines der berühmtesten Argumente, warum die Stücke Shakespeares nicht von Shakespeare sind, beruht darauf, dass so viele der Dramen in Italien spielen. Und wie kann ein Autor, der noch nie in Italien war, so viel über das Land und die italienische Atmosphäre wissen? Anderer­seits: Karl May war auch nie in Amerika ...
 

Frank Günther Genau, ein großes Rätsel. Shakespeare war nie in Italien, also kann er keine in Italien spielenden Stücke geschrieben haben.

Der Earl of Oxford aber war in Italien, also hat er Shakespeares Stücke geschrieben, das sagt einem die einfache Logik ... Bloß: Leider war der, der Shakespeares italienische Stücke geschrieben hat, egal wer’s war – der war niemals in Italien. Und das kann ich sogar beweisen. 
 

BN Wie das?
 

Günther Es gibt in einem der Stücke – ich glaube, es ist «Zwei Herren aus Verona» oder «Komö­die der Irrungen» – den Satz: «Die Flut steht gut, kommt stechen wir in See.» Nun muss man sagen, dass die Flut an der Adria ungefähr 15 Zentimeter beträgt und null Auswirkung auf die Seefahrt hat, wohingegen London häufig überschwemmt wurde von der Flut, die durch die Themse hoch bis London kam. Wer in London gewohnt und gelebt hat, war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2010
Rubrik: Shakespeare, Seite 4
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
On the run

Die 60. Berlinale war ein Festival in einem tief verschneiten, eisglatten Berlin, und nicht einmal der omnipräsente, mopsfidele, genussfreudige und sehr selbstironische Chef Dieter Kosslick konnte verhindern, dass der Jubiläumsjahrgang in die Annalen eingehen wird als Festival der einsamen, schweigsamen, leider auch kriminellen Männer. Der deutsche Mann, so...

Was fehlt, ist das Jauchzen

Herfried Münklers Problemwarnung ist scheinbar zweigeteilt. Zum einen mahnt er die fehlende Eigenverantwortung durch Dezentralisierung der Demokratisierung an – ganz konkret die scheinbare Unmöglichkeit eines funktionierenden EU-Parlaments. Zweitens die Wegdelegierung des eigenen Engagements aus historisch gewachsenen demokratischen Organisationen wie Parteien und...

Mehr Gerechtigkeit wagen

Es ist natürlich eine sehr griffige Formulierung, zu behaupten, dass die Demokratie durch Demokratisierung zerstört wird oder, um es etwas genauer zu formulieren: Mehr Demokratie im quantitativen Sinne bedeute noch keine verbesserte Demokratie. Aber gehen wir erst einmal den Gedanken mit, dass unsere Demokratie durch mehr Demokratisierung bedroht ist. 
 

Unsere...