Neue ausländische Stücke: Prijatnawa Apetita!
Das große gemeinsame «Gastmahl» zum Abschluss des dreitägigen Festivals «Radar Ost» war nichts für empfindsame Mägen. An der eingedeckten Tafel im Rangfoyer des Deutschen Theaters wohnte man erst dem erfolgreichen Versuch des Regieduos Schenk & Cant bei, den dokumentarisch anmutenden Text des ukrainischen Dramatikers Pavlo Arie «The book of tasty and healthy food» theatralisch zu vertrashen.
Einen Text, der seinerseits (zumindest im präsentierten Ausschnitt) die Grenze des Geschmacks überschreitet, indem er das 1939 erschienene titelgebende Buch über die kulinarischen Errungenschaften der Sowjetküche mit dem Holodomor, der von Stalin in den Jahren 1932/33 politisch forcierten Hungersnot in der Ukraine, kurzschließt − mit Missbrauch, Kannibalismus und mindestens 3,5 Millionen Toten. Nach den «literarischen Kostproben» vom Kind im Kochtopf mündete der Abend umstandslos in Borscht und Schnaps für alle. − Prijatnawa Apetita!
Ostwärts
Dem Sieg der deutschen Stadttheater-Gemütlichkeit über den Horror der Geschichte war ein insgesamt vierteiliger Stückeparcours «Ostwärts» vorausgegangen, eine Art Miniatur-Biennale in memoriam der Beilharzschen Wiesbadener Stücke für Europa und ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Anja Quickert
Der Mauerfall, der große deutsche Epochenbruch zwischen den 70er und den 90er Jahren, fällt einfach aus in diesem Film: Berlin ist weit weg von Hoyerswerda, und die Weltgeschichte, wie Andreas Dresen sie erzählt, ist aufgehoben im kleinen großen Leben des Gerhard «Gundi» Gundermann. Zu Beginn zoomt sich die Kamera in diese Pupille, aus der sie das ostdeutsche Leben...
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC:...
Einer galoppiert über die Bühne, erfasst vom Weltenjammer: «Eieieieiei!», ruft Arthur Romanowski, und sein grasgrüner Bademantel flattert hinter ihm her. Der junge Performer hat sich eine Aufgabe gestellt: Auf der Bühne möchte er «Irgendwas für irgendwen an irgendeinem Tag im Juni» tun. Doch natürlich soll dieses Handeln auch über das Theater hinausreichen, das...
