Die Gebrechlichkeit der Welt
Der Mauerfall, der große deutsche Epochenbruch zwischen den 70er und den 90er Jahren, fällt einfach aus in diesem Film: Berlin ist weit weg von Hoyerswerda, und die Weltgeschichte, wie Andreas Dresen sie erzählt, ist aufgehoben im kleinen großen Leben des Gerhard «Gundi» Gundermann. Zu Beginn zoomt sich die Kamera in diese Pupille, aus der sie das ostdeutsche Leben und Leiden vor und nach 1989 betrachten wird, Gundis Pupille.
In der alten DDR und den neuen Bundesländern war Gerhard Gundermann eine Berühmtheit, in der BRD und den alten Bundesländern kannte ihn kein Mensch.
Das wird sich jetzt ändern: Andreas Dresens Biopic «Gundermann» ist eine Hommage an den singenden Baggerfahrer, die Ossis wie Wessis zu Tränen rühren wird. Der zärtlichste Herzschmerzmann, den das deutsche Kino zu bieten hat, erzählt in Sprüngen zwischen den 70er Vorwende- und den 90er Nachwende-Jahren an Gundermanns Leben und seinen Songs entlang eine Geschichte der zerstörten Utopien, von Schuld und Verdrängung, Widerstand und Anpassung, die so konkret im Lausitzer Braunkohlerevier verortet wie zeitlos ubiquitär ist.
Gundermann, 1955 in Weimar geboren, fand die Ideen für seine melancholischen Lieder im ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Barbara Burckhardt
Pläne der Redaktion
Die Ruhrtriennale geht in ihre nächste künstlerische Drei-Jahres-Phase: mit Intendantin Stefanie Carp und Regiemelanchomiker Christoph Marthaler
Das neue Stück von Clemens Setz folgt den Spuren einer verstorbenen Putzhilfe: «Die Abweichung», der Stückabdruck
Die Redaktion muss erstmal ausspannen und ist ab 27. August wieder erreichbar
Das...
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC:...
Es gibt also ein Problem im Theater in Afrika», erklärt Dieudonné Niangouna in seinem Essay «Acteur de l’ écriture», «und zwar deshalb, weil der Markt auf diesem Kontinent vom Blick der westlichen Programmgestalter abhängt. Die Künstler sind die Hauptprotagonisten einer Geschichte, die niemals die ihre ist. Das nennt man die Weiterführung der Kolonialisierung.»
Ma...
