Nah an den Nerven
Die Gestalt, die da mit dem Rücken zum Publikum an der Brandmauer steht, während die anderen sich auf der Bühne formieren und wie aus einer Probensituation heraus auch schon zu reden beginnen, ist die spannungsvollste von allen. Obwohl man ihr Gesicht noch lange nicht sehen wird, begreift man sofort: Die Frau, die mit unruhigem Kreidestrich irgendwelche Amazonen-Hieroglyphen an die Wand malt, dass es nur so knirscht, die nervös mit den Reitstiefeln scharrt, die förmlich vibriert vor Spieltrieb und Erwartungslust – muss Kleists Penthesilea sein.
Die Frau, die die schärfsten Widersprüche in sich vereint, unbändigen Hass auf die Griechenmänner und maßlose Verliebtheit in deren Supermann Achill, Zärtlichkeit und Blutdurst, Furor und Grazie. Aus Gustav Schwabs Sage kennen wir die jugendfreie Version des Konflikts, die Amazone, die sich selbst überschätzt und am starken Mann scheitert. Achill darf sich erst in die tote Frau verlieben. Nichts davon bei Heinrich von Kleist: Hier prallen die Gegensätze ungehemmt aufeinander, bis hin zum unerhörten Ereignis der Verwandlung einer begehrenden Frau in einen Hund, der sein Opfer bei lebendigem Leib zerfleischt.
Dominanz nach Belieben
Die ...
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Über eine Theateraufführung kann nur schreiben, wer mit eigenen Sinnen und Verstand gegenwärtig war. So dachte man bisher, und so formuliert die Theaterwissenschaft und Theaterkritik ihr leidiges Problem, ein flüchtiges Ereignis analysieren und konservieren zu wollen. Schon der Versuch eines Kritikers oder wissenschaftlichen Beobachters, während der Aufführung...
Bereits in seiner Botschaft zum Welttheatertag 2007 im März hat seine Hoheit, der Gouverneur des Emirats Sharjah und Mitglied des Hohen Rates der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Dr. Sultan Bin Mohammed Al Qasimi, erhellende Bezüge hergestellt zwischen Krieg und Schönheit: «Die treibende Kraft hinter den Kriegen, die die Menschheit seit alters her...
Ein wenig ist das wie Wrestling, wie Schattenboxen da vorne auf der breiten Bühne des Velodroms; und dann kommen auch noch Ausdruckstanz-Verrenkungen dazu, wie man sie aus der Raumschiff-Orion-Disco kennt: So versucht Regisseurin Petra Wüllenweber in ihrer «Penthesilea»-Inszenierung am Regensburger Theater mit ein paar Schauspielern ein großes Schlachtengetümmel...
