Münster: So viel Zufall!
Warum konnte die rechtsradikale Terrorzelle NSU eigentlich über viele Jahre zahlreiche Mitbürger ausländischer Herkunft ermorden, ohne überführt zu werden? Wieso hat der Verfassungsschutz jahrelang in die falsche Richtung ermittelt, indem er einen rechtsextremen Hintergrund der Taten ausschloss und sich auf organisierte ausländische Kriminalität und türkische Drogenmafia kaprizierte? So dringlich diese Fragen in Hinblick auf tief verwurzelte Vorurteile (die sich derzeit wieder dumpf Gehör zu verschaffen suchen) auch sind, aufgeklärt wurden sie bislang nicht.
Auch das Theater interessiert sich für das Klima, in dem die NSU gedeihen und ungestört morden konnte. Gleich vier Tage widmeten die Münchner Kammerspiele dem NSU-Komplex, Höhepunkt war Elfriede Jelineks «Das schweigende Mädchen». Nuran David Calis organisierte in «Die Lücke» am Schauspiel Köln Erkundungstouren durch die türkisch geprägte Kölner Keupstraße, in der das NSU-Trio eine Nagelbombe zündete. Die möglicherweise komprimierteste Recherchearbeit über den NSU-Fall hat nun Tugsal Mogul am Theater Münster unternommen. Was er hier an Begebenheiten und Fakten zusammengetragen hat, zieht einem wahrlich die Schuhe aus, denn es ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Natalie Bloch
Es gibt tatsächlich nur eine Leiche, die weggeschafft werden muss in Marco Stormans «Hamlet»-Inszenierung in Ingolstadt: Polonius hievt eigenhändig sein Versteck, eine spanische Wand, vom Bühnenrand in die Mitte und fällt dann, getroffen von einem Pistolenschuss, stilecht um. Da liegt er nun im Weg und wird mühsam ins Abseits gezerrt. Die anderen zahlreichen Morde...
Auch im sozialen Abseits muss es glückliche Zufälle geben. Maria und Jesus Maria beispielsweise, das prekäre Zwillingspaar mit Migrationshintergrund – Mutter verwahrloste Alkoholikerin, der spanische Vater abgehauen –, lebt normalerweise von Gelegenheitsjobs und sinnt auf einen Juwelenraub. Doch für mehr als einen geklauten Goldring haben Mut und kriminelle...
Ein Tumbleweed ist einer dieser Gestrüppballen, die der Präriewind durch einsame Städte des Wilden Westens weht. In der Western-Ikonografie steht das Ding für «gottverlassene Gegend». Wenn sich auf der Besetzungsliste eines Theaterstücks ein Tumbleweed findet, ist das also eine recht eindeutige Botschaft. Juliane Stadelmanns Stück «Noch ein Lied vom Tod» spielt...
