Ingolstadt: Die Schlacht beginnt
Es gibt tatsächlich nur eine Leiche, die weggeschafft werden muss in Marco Stormans «Hamlet»-Inszenierung in Ingolstadt: Polonius hievt eigenhändig sein Versteck, eine spanische Wand, vom Bühnenrand in die Mitte und fällt dann, getroffen von einem Pistolenschuss, stilecht um. Da liegt er nun im Weg und wird mühsam ins Abseits gezerrt. Die anderen zahlreichen Morde finden hier – zumindest in der und für die Öffentlichkeit – nicht statt.
Das hat nichts mit Diskretion oder Entschärfung zu tun.
Storman interessieren die oberflächlichen Opfer einfach nicht, er will etwas Tieferes erforschen und erzählen: Wie lässt es sich für vorsätzliche oder zufällige Täter, betrogene oder betrügende Hinterbliebene leben in einer Welt, in der Gesetze und Moral ausgehebelt werden, wie es gerade beliebt? «Wer ist schuld?», wird eine Schrift an der Wand bald fragen, und eine andere als quasi vorrevolutionäre Antwort zaghaft: «Was können wir tun?»
Hamlet, wie Béla Milan Uhrlau ihn spielt, der Prinz und Mörder in Unterhosen, das einsame Kind und der verzweifelte Melancholiker, hat also gar nicht recht begriffen, was er da angestellt hat. Nicht nur der Staat, die ganze Welt ist faul, und der Jüngling ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Bernd Noack
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