Lob der Hospitanz
Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte die Adoptivtochter der Schauspielerin sein. Weil die Schauspielerin das behauptet, glauben wir’s ihr. Denn das erklärt, warum sie sich so gut in der Requisite auskennt.
Dann, zum Schluss, küsst das liebe Mädchen zärtlich den Schauspieler, den alkoholkranken Geoffrey Firmin, den Konsul, das Alter Ego von Malcom Lowry, den Autor des bekannten Säuferromans «Unter dem Vulkan». Sehr wirklich. Gäbe es einen Preis für das glanzvollste Durchstehen peinlicher Exhibitionen von Laien auf der Bühne, geht er an diese Ungenannte, perfekt Echte im Theatersystem von Armin Petras.
«Unter dem Vulkan» im Kleinen Haus des Schauspiels Frankfurt soll ein schenkelklopfendes Mitklatschtheater für die ganze Familie werden, natürlich nicht für die Journalisten, die mit eingezogenen Köpfen zusammensitzen, sich an ihre Schreibblöckchen klammern und ...
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Vorspiel im Schummerlicht. Das Klavier spaßt, die Tuba grimmt, die Klarinette holpert hell, das Fagott stolpert dunkel voran. Ein sonderbares Quartett. Und erst die Bühne: ein Fundus für Sammelsuriumsammler. Stühle, Körbe, Mäntel, Brustpanzer fügen sich, scheinbar absichtslos derangiert, zum ausgewogensten Chaos, das sich der Theater-Experimentelle Ruedi Häusermann...
Es sei durchaus die etwas altmodische Galanterie, die es in dem und um den ganzen Betrieb trotz allem immer noch gebe: «... da halten die Männer den Frauen noch die Türen auf», sagt Miriam Wagner, wenn man sie fragt, was das Theater für sie so anziehend mache. Und wie aufs Stichwort stellt die Kellnerin in der kleinen spanischen Kneipe in der Erlanger Altstadt ein...
Für ein Kinder- und Jugendtheater kann man sich eigentlich keinen passenderen Ort wünschen: Das Haus ist riesengroß und von einem Park mit alten Bäumen umgeben, durch den des Nachts hunderte von Fledermäusen flattern. Es ist eine Mischung aus Spuk- und Märchenschloss, hat Höfe, verwinkelte Gänge und Flure und jede Menge Platz zum Theaterspielen. Der marode Charme...
