«Jetzt muss ich auch was tun!»

Vielleicht hat die Erlanger Schauspielerin Miriam Wagner «eine Batterie zu viel abbekommen», aber das macht gar nichts: Ein Porträt

Theater heute - Logo

Es sei durchaus die etwas altmodische Galanterie, die es in dem und um den ganzen Betrieb trotz allem immer noch gebe: «... da halten die Männer den Frauen noch die Türen auf», sagt Miriam Wagner, wenn man sie fragt, was das Theater für sie so anziehend mache. Und wie aufs Stichwort stellt die Kellnerin in der kleinen spanischen Kneipe in der Erlanger Altstadt ein Glas Wein auf den Tisch: Das sei von den Herren dort an der Theke.

Da lümmeln tatsächlich zwei schmucke Exemplare und können die Augen nicht von der blonden jungen Frau lassen, die gerade noch von aus der Mode gekommener Etikette schwärmte: «Auf die Kunst», säuseln sie herüber, und der Beobachter fühlt sich in eine verstaubte Zeit versetzt, in der die Bewunderer es noch verstanden, der Künstlerin den Hof zu machen. 

Miriam Wagner wirkt etwas verlegen. Nein, das passiere ihr nicht gerade oft hier in der Stadt, in der sie seit zwei Jahren engagiert ist. Eher das Gegenteil: Vor kurzem habe sie sich erst mit einer wildfremden Frau in einem Café über das Stück «Tatarenschlacht» unterhalten: «Die hatte das zwar gesehen, aber nach einer halben Stunde immer noch nicht gespannt, dass ich da selber mitspiele.» Andererseits rufen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2005
Rubrik: Porträt, Seite 28
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Brachiale Transplantationsforschung

Ein Biomediziner, der Frau und Kind Schweineherzen einpflanzt, um sich dereinst zum Retter der geklonten Menschheit auszurufen. Ein Terrorist, der ahnungslosen Hotelbettinsassen eine fette Knarre an den schlaftrunkenen Schädel drückt, um sich mal wieder wild und frei zu fühlen. Zwei Schauspieler, die dazu neigen, sprunghaft aus der Rolle zu fallen, um sich an...

Futterneid an der teuren Tafel

Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen...

Das ausgewogenste Chaos

Vorspiel im Schummerlicht. Das Klavier spaßt, die Tuba grimmt, die Klarinette holpert hell, das Fagott stolpert dunkel voran. Ein sonderbares Quartett. Und erst die Bühne: ein Fundus für Sammelsuriumsammler. Stühle, Körbe, Mäntel, Brustpanzer fügen sich, scheinbar absichtslos derangiert, zum ausgewogensten Chaos, das sich der Theater-Experimentelle Ruedi Häusermann...