Futterneid an der teuren Tafel
Über den Mittag essen auch schon mal Banker im schönen Biergarten. Keine Würste, eher Piccata Milanese oder ein Tandoori. An den Wochenenden feiert ein szenenunspezifisches Publikum im Restaurant Reithalle jene Art von Allerwelts-Disco, die man in ihrem unverfrorenen Balzritual provinziell nennen mag. Und am Abend erwartet das Publikum in den ehemaligen Militärstallungen des Theaterhauses Gessnerallee, dass sich das freie Theater und der Tanz auf ihrer aktuellen Höhe zeigen. Glamouröser wird’s nicht abseits des Stadttheaters. Wer hier groß rauskommt, kann noch größer rauskommen.
Sei’s für eine Koproduktion mit städtisch geförderten Gruppen, für ein nationales oder ein internationales Gastspiel, für welches paritätische Drittel auch immer: Die «Gessi» bleibt die erste «freie» Adresse im Land. Denn das Haus hat eine «Schweizer Ausbauqualität» – sagt ein deutscher Ex-Direktor –, es liegt unweit des Zürcher Bahnhofs und des Bankenviertels, vermittelt durch zwei Flüsse aber etwas Insulares. Über die Straße besetzen die Hochschule für Theater und ihre zwei Bühnen die andere Seite der «Kulturinsel», ein Werbewort, das so niemand benutzt, weil Kultur in Zürich wirklich nicht Ausnahmegebiet ...
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Simon Stephens kommt aus Stockport und ging fort, erst nach York, dann nach London. Sein zweites Stück «Port» (nach «Reiher», Stückabdruck in TH 4/03) spielt in einer, dieser Kleinstadt und handelt vom Fortgehen, von Aufbruch. Sein drittes, «One Minute», spielt in London und handelt, ja, auch vom Fortgehen, aber ebenso vom Bleiben, von Stagnation, vom Leben ohne...
Berlin hat ihr kein Glück gebracht: im Theater. Da hatte Bernd Wilms für den Neustart am Deutschen Theater unter anderem Anika Mauer aus Bremen weg engagiert: ein Missverständnis, allerbestenfalls. Zuvor umschwärmt und von allen und jedem im Bremer Haus gepflegt als existenzielle, hingebungsvolle Protagonistin für Konstanze Lauterbach und Thomas Bischoff, als...
Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte...
