«Letztendlich geht es um Liebe»
In wenigen Branchen wird so intensiv nach jungen Talenten gefahndet wie in der dramatischen Literatur. Unentdeckt zu bleiben, wenn man etwas zu sagen hat, ist heutzutage kaum noch eine Gefahr. Was allerdings keine Garantie für anhaltende Bühnenpräsenz bedeutet, denn in den Spielplänen müssen die neuen Stücke mit Romanadaptionen und Projektentwicklungen konkurrieren, und es ist nicht selten, dass nach der Uraufführung, die allein die überregionale Presse anlockt, auch schon der letzte Vorhang fällt.
In Heidelberg jedenfalls glaubt man noch an die Kraft des eigens für sie geschriebenen Wortes auf der Bühne. Seit 33 Jahren richtet das Theater mit ungebrochenem Elan den Stückemarkt als einen der ältesten und renommiertesten Wettbewerbe für junge deutschsprachige Dramatik aus, dessen mit 10.000 Euro dotierter Autorenpreis mittlerweile noch durch einen Internationalen Autorenpreis (5.000 Euro) an ein Stück aus einem jeweils wechselnden Gastland und den Jugendstückepreis (6.000 Euro) ergänzt wird. Von der Vorgabe, dass die von Verlagen und auf Empfehlung ehemaliger Wettbewerbsteilnehmer eingereichten Stücke noch keine Uraufführung in Aussicht haben dürfen, hat man sich allerdings vor ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Festivals, Seite 46
von Silvia Stammen
Das Brexit-Referendum dräut. Seit im Februar der Startschuss der «Remain»- und der «Leave»-Kampagne fiel, ist die schlammschlachtlastige Debatte immer mehr auf die Themen Wirtschaft versus Immigration zusammengeschmolzen. Die Politiker melden sich täglich zu Wort. Die Kunst- und Theaterszene kaum. Als Schauspielerin Emma Thompson äußerte, sie fände es «nicht...
Musste das sein, dass noch die dümmsten Vorurteile gleich am Anfang der Reise bestätigt wurden? «Odin!», rief die Mutter auf dem Vorplatz des Bahnhofs in Gera am frühen Sonntagmorgen, «Odin, komm her!» Und der Kleine trabte gehorsam zu den Eltern; sein Vater setzte die Bierflasche an, spannte noch etwas drohend den Rücken, und man konnte nun die Schrift «Thor...
Es ist noch ziemlich am Anfang dieser knappe fünf Stunden währenden Reise in die Nacht, da flimmern ein paar kurze Szenenausschnitte aus einem frühen Fassbinder-Film über die Screens, auf denen später die Castorf-Crew in stickigen Séparées übereinander herfallen wird.
«Warnung vor einer heiligen Nutte» aus dem Jahr 1971 heißt die radikale Selbstanalyse über ein in...
