Leipzig: Viktorianisches Erbe
Die Tochter des englischen Schwerromantikers Lord Byron und seiner kurzzeitigen Gattin Annabella Milbanke hatte einiges an elterlichen Widersprüchen auszuhalten: vom Papa einen Hang zur kreativen Träumerei, von der Mutter eine solide mathematische Ausbildung und die strengen Exerzitien der viktorianischen Disziplinargesellschaft. Beide(s) zusammen ergab eine zeitlebens kränkliche, ziemlich brillante Mathematikerin ohne Angst vor steilen Ideen.
Ada Lovelace (1815–1852) gilt mit ihren Berechnungen und Anmerkungen zu einer ersten dampfgetriebenen Rechenmaschine als Vordenkerin der digitalen Revolution.
Martina Clavadetscher lässt in der ersten Hälfte von «Frau Ada denkt Unerhörtes» im Schnelldurchlauf zentrale Stationen der Lovelace-Biografie Revue passieren, um in der zweiten Hälfte per Zeitsprung in einem Labor für Künstliche Intelligenz zu landen. Dort gelingt nicht nur die Erschaffung eines intelligenten Roboters, sondern auch eine Inkarnation von Ada Lovelace. Die maschinell wiedergeborene Ada erweist sich allerdings als ziemlich tyrannischer Selbstoptimierungs-Freak, der – ganz die Mama – den fehlerhaften Menschen und ihren unzuverlässigen Gefühlen böse auf den Leib rückt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Franz Wille
Angeblich lesen die Leute deshalb weniger Romane als früher, weil sie lieber Serien schauen. Viele gehen aber auch ins Theater, wo sich das Adaptieren von dicken Büchern ungebrochener Beliebtheit erfreut; in Graz ist dafür der Regisseur Alexander Eisenach zuständig. Nach Clemens J. Setz’ «Frequenzen» (TH 6/16) und Thomas Manns «Zauberberg» (TH 3/18) hat er nun zur...
In «Live Long and Prosper», einem ihrer selbst kreierten, produzierten und gedrehten Filme, heißt die Anweisung an einen der sieben Mitspieler: «closer to». Näher zu was? Zu sich selbst, zu der im Spiel leichthin erreichbaren Wirklichkeitserfassung, zum Ernst des Lebens, zum Abstand zwischen Kunst und Realität? Die Gruppe Gob Squad streift scheinbar planlos durch...
Sie – er – es ist einfach perfekt. Langbeinig, wallemähnig, sportlich schlank und stets lieb und zugewandt. Sie hat es von einer Sexpuppe zur einfühlsamen, durchaus kritischen Gesprächspartnerin gebracht. Wenn sie dabei zu sehr nervt, kann man die Kommentarfunktion abschalten. Peter Vogel hat sich das perfekte Liebespendant, seine «Echokammer», erschaffen und nennt...
