Alle unterm gleichen Vorhang
Sie – er – es ist einfach perfekt. Langbeinig, wallemähnig, sportlich schlank und stets lieb und zugewandt. Sie hat es von einer Sexpuppe zur einfühlsamen, durchaus kritischen Gesprächspartnerin gebracht. Wenn sie dabei zu sehr nervt, kann man die Kommentarfunktion abschalten. Peter Vogel hat sich das perfekte Liebespendant, seine «Echokammer», erschaffen und nennt es zärtlich IKI («Intime Künstliche Intelligenz»).
In Osnabrück wird IKI von Julius Janosch Schulte total sympathisch als sexy Kumpelfreundin mit unklarer Geschlechtlichkeit gespielt und hat neben täuschend echt scheinenden Liebesgefühlen auch fein austarierte pseudomenschliche Schwächen, etwa kleine Schmoll- und Eifersuchtsanwandlungen. IKI, Produkt und Projektionsfigur zugleich, kennt ihren Peter dank algorithmischer Totalkontrolle wie keine andere, unappetitliche Stoffwechseldetails und schlechte Essgewohnheiten inklusive. Und wenn das zu aufdringlich wird, kann Peter sie zum Glück herunterregulieren.
Sediert von der Liebesillusion
Der Stuttgarter Autor Kevin Rittberger hat in seiner ersten Auftragsarbeit für das Theater Osnabrück das «erste intime KI-Kammerspiel» geschrieben, ein «ökologisch-bürgerliches ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Dorothea Marcus
Dieser Spielzeitauftakt proklamiert lautstark politische Relevanz. Intendant Stefan Bachmann eröffnet in Köln mit «Vögel», der gehypten sogenannten «Romeo-und-Julia-Geschichte vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts». Darauf folgen Carolin Emckes Essay zum erstarkenden Verbal- und Rechtsradikalismus in Deutschland «Gegen den Hass» und der dystopische Klassiker...
Jakub Shapiro ist ein Mann mit vielen Talenten: Er hat Charme, Geld, Frauen, einen gelben Opel Olympia und einen Vorschlaghammer nebst Knochensäge im Kofferraum, mit denen säumige Schuldner totgepügelt, gevierteilt und dann in den Warschauer Lehmgruben versenkt werden. Die rechte Hand und der Knochenbrecher des Warschauer Bordellkönigs und Schutzgelderpressers Jan...
Die Natur, die Goethes Werther einst schwärmerisch zu umfassen suchte, ist brüchig geworden. Sie ist ein Hörensagenphänomen. So wie Regisseurin Lilja Rupprecht sie an diesem Abend ins Schauspiel Hannover holt: Wellen schwappen auf dem Videoscreen so zähflüssig, als wären sie schon ein Ölteppich. Ein Fotoplakat prangt mit dem Versprechen auf «Natur» und...
