Leblose Luderposen
Es gibt Poptitel, die bringen eine Situation mehr auf den Punkt als seitenlange Dialoge. Also legt sich die ohnehin labile Charlotte im Moment einer besonders großen Krise (ihr alkoholkranker Freund ist gerade gestorben) hin, und es ertönt der Popsong «Suicide Is Painless». Und also singt Charlottes spießiger Bruder Julius, der aus der Enge seiner Ehe zu Charlotte nach Berlin geflohen ist, während er sich zum Duschen auszieht: «I’ve Been Looking For Freedom».
Beides steht nicht in der Textfassung, die das Nationaltheater Mannheim vom zweiten Stück seiner derzeitigen Hausautorin, der 26-jährigen Berlinerin Tine Rahel Völcker, zur Verfügung stellt. Wohl aber ein Song, auf den die Uraufführung durch Regisseurin Tatjana Mischke verzichtet: «I Just Don’t Know What To Do With Myself», eine alte Burt-Bacharach-Nummer, die vor zwei Jahren von den White Stripes zu neuer Hymnentauglichkeit geprügelt wurde und hier über dem ganzen Stück stehen könnte.
Denn sie wissen alle nicht, was sie mit sich anfangen sollen, die vier Protagonisten in Völckers Stück. Im Mittelpunkt steht Charlotte, mit deren 30. Geburtstag das Stück einsetzt, um dann auf das Jahr zuvor zurückzublicken. In schlaglichtartigen ...
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