Laudatio auf eine Wildgans

Der Schauspieler des Jahres Ulrich Matthes

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Ulrich Matthes liebt die Leichtathletik, ganz besonders den Zehnkampf, die Königsdisziplin! Dass so unterschiedliche Vorgänge wie Kugelstoßen und Stabhochsprung gleich hintereinander beherrscht werden müssen, treibt Matthes in glühende Verehrung. Wir waren mal zusammen beim Mehrkampfmeeting in Ratingen, als Dan O’Brien auflief, dreifacher Weltmeister, Olympiasieger in Atlanta. Matthes sprang sofort von seinem Sitz auf: «O’Brian! Heute wird dich Hämälainen schlagen.

» – «Wer bitte?» – «Hämälainen!! Der Finne! Ruhe jetzt!»

Matthes blieb dann während des Hürdenlaufs, dem Diskus- und Speerwurf und dem 1.500-Meter-Lauf einfach stehen, ich schätze drei Stunden, aber Hämälainen, der Finne, verlor. 

 

Wenn auf der großen Bühne des Deutschen Theaters Jahre später ganz hinten an der Brandmauer die kleine Tür aufgeht und Corinna Harfouch und Ulrich Matthes die quasi unendlichen 1.500 Meter nach vorne bis zur Rampe laufen, denk ich, oh Gott, O’Brian und Hämälainen in Ratingen. Harfouch vorneweg in schwarzen Lackstiefeln, Kampfrock und Push-ups wie zum Kugelstoßen; Matthes in hochgekrempelten Jeans, im Mantel, mit schwarzer Hornbrille, leicht wankend, mit zurückfallendem Kopf und irgendwie im ...

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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Schauspieler des Jahres, Seite 64
von Moritz Rinke

Vergriffen
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