Kunst – der bessere Kapitalist?
Der absolute Nullpunkt der Modernen Kunst wurde erreicht im Theater. «Sieg über die Sonne» hieß treffend das Stück, in dem 1913 zum ersten Mal das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch zu sehen war – auf dem Bühnenvorhang und als Symbol auf Kostümen und Requisiten stand es für die Passage in eine neue Zeit. Doch trotz dieser innigen Verknüpfung während des Urknalls einer neuen Kulturepoche haben Darstellende und Bildende Kunst seither ein gestörtes Verhältnis. Denn unsterblich wurde das Schwarze Quadrat allein als Gemälde.
Von dem suprematistischen Totaltheaterstück sind dagegen nur Beschreibungen, Musikfragmente und Malewitschs Entwürfe übrig geblieben. Und an diesem Bedeutungsverhältnis zwischen Theater und Kunst scheint sich in knapp 100 Jahren kaum etwas geändert zu haben: Im öffentlichen Bewusstsein bleibt es eine unfaire Konkurrenz wie die zwischen Traum und Tatsache.
Vielleicht ist es gemein, in diesem Zusammenhang von einem Minderwertigkeitskomplex der Bühnenkünstler zu sprechen, aber wer ist Claus Peymann gegenüber Damien Hirst? Was das Theatertreffen gegen die documenta? Der Buchmarkt liefert zum Stichwort Theater rund 200.000 Bücher, zum Thema Kunst aber das Zehnfache. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2011
Rubrik: Theater und Bildende Kunst, Seite 6
von Till Briegleb
Erinnert sich noch jemand an den endlosen Strumpf, den Angela Winkler in Peter
Zadeks «Rosmersholm»-Inszenierung für Pastor Voss häkelte? – An der Berliner Volksbühne greift jetzt Annika Kuhl zu den Nadeln, um Peter Lohmeyers Rosmer zu bestricken – Regie führt, nach langer Theaterabstinenz, Leander Haußmann, und zusammen mit den Wiener Koproduktionen von Marthaler...
Der Regisseur Antonio Latella inszeniert zum dritten Mal in Köln. Seit diesem Jahr leitet
er gleichzeitig ein Theater in Neapel und versucht dort, seine deutschen Erfahrungen mit dem Repertoirebetrieb umzusetzen. Mit sechs italienischen und sechs deutschen Schauspielern und seinem Dramaturgen Federico Bellini hat er nun ein knapp dreistündiges Mafia-Spektakel in...
Zwischendrin sah es so aus, als wäre das Live-Art-Festival auf Kampnagel ein Zuschauer-Alptraum mit nur zwei Alternativen: entweder mitmachen oder Nackte ansehen. Da erhielt man als Gefangener einer Spielsituation den Auftrag, einem wildfremden Nachbarn mit beiden Händen würgend an den Hals zu fassen, sah einer vollständig unbekleideten Akteurin dabei zu, wie sie...
