Befreiungsnostalgie unterm Haschmond

Das Live-Art-Festival auf Kampnagel, Hamburg

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 Zwischendrin sah es so aus, als wäre das Live-Art-Festival auf Kampnagel ein Zuschauer-Alptraum mit nur zwei Alternativen: entweder mitmachen oder Nackte ansehen.

Da erhielt man als Gefangener einer Spielsituation den Auftrag, einem wildfremden Nachbarn mit beiden Händen würgend an den Hals zu fassen, sah einer vollständig unbekleideten Akteurin dabei zu, wie sie sich eine Lichterkette aus dem primären Geschlechtsorgan entfernte, oder wurde dringlich dazu aufgefordert, einen Joint zu drehen und ein buntes Kopftuch umzubinden, um anschließend rund um ein Pseudo-Jim-Morrison-Grab auf einem echten Friedhof die Gräber anderer Leute zu zertrampeln. Man muss nicht prüde oder schüchtern sein, um unter diesen Umständen schlechte Laune zu bekommen.

So nicht!

Persönlich wäre das Motto: «Wie wir uns aufführen», das die künstlerische Leiterin des dritten Live-Art-Festivals, Anne Kersting, für elf Tage ausgerufen hatte, mit den Worten: «So nicht!» also ausreichend beantwortet. Der Anlass für öffentlich mitteilenswerten Missmut findet sich aber in einer lauen Festival-Konzeption, die wirres Behauptungskauderwelsch und abgestandene Provokationen als zeitgenössisch bedeutsam verkaufen will. ...

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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Till Briegleb

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