Krisenfrohsinn
Dass 170 Jahre längst nicht reichen, den Menschen grundlegend zu ändern, beweist Gogols «Revisor» immer wieder aufs Hübscheste. Die satirische Farce von 1836, in der ein staatlicher Überprüfer angekündigt und gerüchtehalber mit einem durchreisenden Hallodri verwechselt wird, was dem verdutzten, sich aber schnell zum Herrn der Lage aufschwingenden Touristen Bestechungs- und Schweigegelder der städtischen Honoratioren nebst Liebes- und Sexangeboten ihrer weiblichen Anverwandten in Tasche und Hose spült, geht irgendwie immer.
Bestechlichkeit ist unverwüstlich und tut nicht weh, betrogen werden hier schließlich Betrüger, und im kleinen Karo der Provinz ist das ein eher putziger Spiegel des gerade global aus dem Ruder laufenden Minimalanstands.
Robert Schuster jedenfalls, der im Großen Haus in Schwerin das Stück als opulentes Puppenspiel mit höchst spielfreudigem lebenden Material inszenierte, nahm den alten, immergrünen Fall in hübsch überzeichneten historischen Kostümen zum Anlass für ein kleines szenisches Feuerwerk voller lustiger Ideen und ganz ohne Zorn. Den Auftakt macht ein echtes Puppenspiel, in dem Gogol (der sich seinerzeit von einem Erlebnis Puschkins inspirieren ließ) das ...
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