Konsumgut Nebenmensch
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein «Atelier». Ab und an huscht «der Ewald» durch den Flur in die Küche, raucht, schaut an die Decke, macht sich einen Kaffee – pausiert.
Dann sitzt er mittendrin, im kommunikativen Zentrum des Theateralltags, das einmal mehr auch hier eine Küche ist: zwischen anderen Pausenlustigen, Mittagssalatschnipslern und dem Blut anrührenden Requisiteur.
Als wir vor gut einem Jahr mit den Proben zu Palmetshofers «hamlet ist tot. keine schwerkraft» begannen, waren Ensemble und Hausautor einander noch weitestgehend Unbekannte. Von Vorsprechen oder Fotos kannte Palmetshofer die «SchauspielerInnen» – wie er es in seiner «geschlechtssensiblen Sprache» auszudrücken pflegt. Und das gemeinsame Theatermachen, also «die Kunst, Texte mit Körpern zu vernähen» (Palmetshofer), war beim ersten Kennenlernen tastendes Anproben. Heute, nach zwei ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Andreas Beck
Es gibt viele Legenden über Händl Klaus. Wer ihn, den Tiroler, am Schweizer Bielersee besucht, berichtet von der vorzüglichen Bewirtung durch ihn, den erstklassigen Buchtelbackkünstler. Auch seine übersprudelnde, herzliche Freundlichkeit, seine Wortzuschüttungen, die einen verstummen lassen, nachdem man nur kurz um die Uhrzeit bat, finden sich in Beschreibungen....
Die Frage nach der Darstellbarkeit von Historie im Drama bewegt seit den «Persern» von Aischylos die Zuschauer. Schon Aristoteles meinte, das Drama sei das tauglichere Mittel, Geschichte zu begreifen, als die Geschichtsschreibung. Es ist nicht an die Fakten gebunden, sondern kann die zentralen Widersprüche, die zum Gang der Geschichte führen, in ihrem menschlichen...
Prolog
Wie sich im Laufe des letzten halben Jahres herausgestellt hat, gibt es keinen Sektor des Lebens, der Kultur, der Politik, keine Betätigung zwischen Fußball und Fallenstellen, die nicht ihr 68 gehabt hätten. Die hinter uns liegende Zeit besonders intensiver Debatte darüber, was das eigentliche 68 gewesen wäre, das Wesen von 68 nämlich, im Gegensatz zum...
