Köln Schauspiel, Halle Kalk
Eine englische Regisseurin in Deutschland inszeniert den Text eines deutschen Dichters in England: Katie Mitchell und W.E. Sebald – ein Traumpaar. Über den Traum schreibt Sebald: «Was ist das für ein Theater, in dem wir Dichter, Schauspieler, Maschinist, Bühnenmaler und Publikum in einem sind? Gehört zum Durchqueren der Traumfluchten mehr oder weniger Verstand, als man mit hineinbringt ins Bett?» Genau so ein Traumtheater macht Katie Mitchell. Der Zuschauer muss selbst in seinem Kopf alle Einzeleindrücke synthetisieren. Und zum Durchdenken solcher Bilderfluchten gehört Verstand.
1995 veröffentlichte Sebald seinen Prosatext «Die Ringe des Saturn», in dem er eine Wanderung entlang der ostenglischen Küste in Suffolk beschrieb. Ein lokaler Reisebericht und ein Wanderführer durch die Weltgeschichte, «als schaute man zugleich durch ein umgekehrtes Fernrohr und durch ein Mikroskop». Vereinzelte Wahrnehmungen von Details werden durch die Erzählung zusammengesetzt zu einer individuellen Allegorie: überall Zeichen der Zerstörung, des Untergangs, der Vergeblichkeit, der Vernichtung.
Und doch ist Sebalds Prosawerk für Mitchells Methode wenig geeignet: Der Erzähler verknüpft wieselflink die ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Gerhard Preußer
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Die Tradition, in...
