Klassenverhältnisse
Die Geschichte funktioniert wie ein Kippbild. Je nach Betrachtung ändert sich der Eindruck. Eine Lehrerin sieht rot, nimmt ihre Schüler in Geiselhaft und hält sie mit geladener Pistole in Schach. Der Film «La journée de la jupe» von Jean-Paul Lilienfeld paukt provokativ und polemisch als melodramatischer Thriller mit Migrationshintergrund sein Pensum durch. Dabei ist die Sachlage nie eindeutig: die Täterin ein Opfer, der Terror Reaktion auf permanentes Terrorisiertwerden.
Demonstrativ fordert die Gewaltaktion das Bildungsziel ein: diszipliniert zu lernen, sich sozialverträglich zu verhalten. Während der Film in der Pariser Banlieue spielt und gegen ein hilflos mit Konzepten und politisch motivierten Rücksichten operierendes Schulsystem votiert, wechselt die Theaterfassung zu deutschen Klassenverhältnissen. Das Berliner Ballhaus Naunynstraße hat, im Auftrag der RuhrTriennale, mit dem 1974 in Ankara geborenen Regisseur Nurkan Erpulat, dem Dramaturgen Jens Hillje, Laien und Profi-Schauspielern das Konzept entwickelt: raffinierter, reflektierter und vielschichtiger als die pamphlethafte Vorlage.
Dramaturgischer Angelpunkt ist die Spielsituation selbst. Beginnend damit, dass in der ...
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3. nach Grimm, Fundevogel
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1. Bernier/Osterrieth nach Gestac,
Männer und...
Es ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre.» Das sagt man so, wenn man sehr traurig ist. Aber auf Christoph Schlingensief bezogen ist dieser Satz, den Elfriede Jelinek unmittelbar nach seinem Tod äußerte, mehr als vage Trauerprosa, die man hinschreibt, um seine Betroffenheit zu zeigen. Vielleicht verkörperte er tatsächlich das Leben. Umfassender als die meisten...
Seht euch diese Augen an, riesige Puppenaugen, die schläfrig, mild und traurig in die Welt blicken. Sie schauen aus riesigen Schwellköpfen, die die Figuren aus Lukas Linders «Die Trägheit» tragen, so dass der Rest ihres Körpers unverhältnismäßig klein und putzig wirkt, wenn sie etwa mit den Händen in die Luft greifen oder die Beinchen regen. Menschen am Rande des...
