kein ausreisen kein einreisen – der ewige auftrag
Der Tod steht vor der Tür, hält seine Hand auf, ich schweige. Ich schaue hinter mich, alles voller Licht und Erregung, die Dinge, die ich nicht getan habe, die, die ich dabei immer gern getan hätte – das Leben im Konjunktiv, denke ich, in gebeugter Form. Der Tod wird ungeduldig – ich halte seinen kalten Blick, lächle und höre mich sagen: Komm morgen wieder, morgen, wenn ich alles getan habe, morgen, wenn die Erregung nicht mehr peitscht, das Licht sich beruhigt.
Warum ich Heiner Müller vermisse – warum er noch da sein sollte – ich weiß es, ich weiß es nicht. Er ist tot. Punkt.
Er ist dort gestorben, wo er war in den Neunzigern. Wie kann man weiter trinken, wenn der Krebs frisst, wie weiter rauchen – man kann.
Ich nahm einen Stift, der schrieb: WIE TOT IST MAN IN DER LEGENDE IN DER MAN LEBT WENN MAN NOCH LEBT? Ich war wütend, als er starb, auch verzweifelt – ich ahnte Zerstörung, doch das Selbst hatte sich dazu noch nicht eingefunden. Auch wusste ich, dass meine Beziehung nicht halten würde – damals –, dass der Sohn einen anderen Vater bekäme, den weggegangenen.
Vielleicht, weil er all das lächerlich überflüssig Süße aus den Worten, Stämmen epilierte.
Vielleicht, weil er nie ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Heiner Müller, Seite 13
von Sebastian Hartmann
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