Die mit dem Wolf tanzen
Im Schummerlicht erobern Indianer die leere Zuschauertribüne, während wir auf dem Bühnenboden sitzen und gebannt zuschauen. Nebelschwaden ziehen durch den Raum. Wie ist es dazu gekommen?
Eigentlich hat alles ganz harmlos begonnen – mit einem Vortrag über eine Reise in die verlorenen Dörfer am Rande der Braunkohletagebau-Gebiete der ostsächsischen Lausitz. Fünf junge Studierende aus Hildesheim sitzen in «Steppengesänge» mit einem Beamer und einer Leinwand auf der Bühne, eine weibliche Stimme aus dem Off erzählt die Geschichte.
Erste Brüche der Realität entstehen, als der Vortrag vom Band und das Geschehen auf der Bühne für Momente nicht zusammenpassen, die Frauenstimme auf kurze Video-Einspieler Bezug nimmt, während die Leinwand dunkel bleibt – und die Stimme Requisiten auf der Bühne anmoderiert, die gar nicht da sind, einen Baumstumpf an der Rampe zum Beispiel. Dann beginnt der Vortrag von vorne, die Reise in die verlorenen Dörfer der Lausitz, diesmal mit Einspielern, aber in Nuancen anders erzählt. Während die Stimme von einer unheimlichen Nacht auf einem verlassenen Dorfplatz berichtet, verlässt eine der Performerinnen die Bühne und kommt zurück – mit einer schwarzen, ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Alexander Kohlmann
Er denke noch daran, wie schön sie es doch hatten, trotz allem, sagt der alte Mann, bevor er die Schlinge festzieht und springt. Das gute Leben für ihn, seine Frau und den Sohn hat er am Ende freiwillig mit dem eigenen Leben bezahlt. Man wollte nicht in einer Plattenbaubruchbude am Stadtrand wohnen, man wollte Auslandsreisen machen, der Sohn sollte studieren...
Hauptmanns Dachboden in den «Ratten» hat einen doppelten Boden: den der sozialen Tragödie und den der ästhetischen Debatte. Das macht das Stück so attraktiv. Man kann barmende Mitleidsdramatik darin ebenso unterbringen wie deftige Selbstveralberung des Theaters. Volker Löschs Düsseldorfer Inszenierung potenziert diese Gespaltenheit des Stückes noch, weitet die...
Ein beinahe gleißendes Himmelblau, vor dem das Gelb der Fresien umso sonniger leuchtet. Ein sattes Tiefgrün, vor dem sich das silbergraue Hundefell vorteilhaft abhebt. Ein kräftiges, laszives Pink. Ein schwarz-cremefarben gewürfeltes Blättermuster, das verwirrende 3D-Effekte hervorruft: In solchen Farben und Tapeten erstrahlen die Räume des fiktiven Preußens, das...
