Keep calm and carry on
Bern ist die Hauptstadt der Schweiz, Graz nur die der Steiermark. Von Bern nach Graz zu wechseln, das klingt also nach Abstieg. Ist es nicht, widerspricht Iris Laufenberg, die Anfang der Spielzeit vom Konzert Theater Bern ans Schauspielhaus Graz gewechselt ist. Erstens habe Graz doppelt so viele Einwohner (280.000), und zweitens sei sie hier Intendantin und nicht, wie in Bern, bloß Schauspieldirektorin eines Vier-Sparten-Hauses. In Bern war ihr Vertrag zunächst auf drei Jahre befristet gewesen, weil erst eine Volksabstimmung über die Zukunft des Theaters entscheiden musste.
Und bevor der Vertrag verlängert werden konnte, hatte sie sich schon erfolgreich in Graz beworben.
Laufenbergs Vorgängerin, die nach Wien ans Volkstheater gewechselte Anna Badora, hatte hier neun Jahre lang erfolgreich gewirkt. Mit Viktor Bodós Handke-Inszenierung «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» war 2010 erstmals eine Grazer Produktion zum – damals von Laufenberg geleiteten – Theatertreffen nach Berlin eingeladen worden. Auch die Stücke von Yael Ronen («Hakoah Wien») erregten überregional Aufsehen; vor allem aber wurde das Schauspielhaus vor Ort sehr gut angenommen. Ein schweres Erbe, könnte man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2016
Rubrik: Start Graz, Seite 54
von Wolfgang Kralicek
Plappern Pizzaschachteln plötzlich los, ist man unter Umständen in einem Theatertext des Schweizer Autors Lukas Linder. In Bonn jedenfalls ist das so. Dort spricht ein gewisser Franz aus einer Verpackungspappe, was eine gewisse Nelly dann doch ziemlich überrascht. Die Stimme aus dem Karton ist die ihres Zwillingsbruders. Komisch, gibt es den überhaupt noch? Ist der...
Es war der Roman mit dem längsten Titel der Saison, und er wurde zur allgemeinen Überraschung mit dem sonst durchaus eher dem leichter Bekömmlichen zugeneigten Deutschen Buchpreis 2015 gekrönt: Frank Witzels «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969». Auf über 800 Seiten in mannigfaltigen Textsorten reflektiert,...
«Der hängt ja ganz schief», sagt Dimitrij Karamasow zu seinem kleinen Bruder, dem Mönch Aljoscha. Gemeint ist der silberne Zweimeter-Jesus, der (übrigens wie eine Eins!) über ihnen am Kruzifix hängt. Schon schickt sich der aufgekratzte Dimitrij an, dem Gottessohn zu einer besseren Haltung zu verhelfen – eine Aktion, die auf der Bühne des Schauspiels Hannover...
