Berlin: Aus dem Steinbruch gehauen
Es war der Roman mit dem längsten Titel der Saison, und er wurde zur allgemeinen Überraschung mit dem sonst durchaus eher dem leichter Bekömmlichen zugeneigten Deutschen Buchpreis 2015 gekrönt: Frank Witzels «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969». Auf über 800 Seiten in mannigfaltigen Textsorten reflektiert, erinnert, assoziiert, kommentiert und fantasiert sich Witzel, Jahrgang 1955, in eine Adoleszenz in den 60er Jahren in der spießigen Enge der hessischen Provinz. Der namenlose Fabrikantensohn, ca.
13, dessen Mutter so krank ist, dass die «Frau von der Caritas» das Regime, möglicherweise auch das erotische, im Haushalt übernommen hat, entflieht der häuslichen Enge in die ersten pubertären Sexfantasien, die Wonnen der Popmusik in der historischen Konkurrenz von Stones und Beatles, er hängt mit den Klassenkameraden ab und imaginiert sich Mord, Revolte und Totschlag, und landet schließlich in der Jugendpsychiatrie, deren Befragungen sich kaum unterscheiden von den Beichten, die ihm die Patres im Beichtstuhl abringen.
Aufgeladen ist Witzels Patchwork-Panorama mit Marken- und Produktnamen, aberwitzigen Bibelexegesen, Songtiteln ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Barbara Burckhardt
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Der amerikanische Physiker William Roger Corliss (1926–2011) schrieb Bücher über unerklärliche Naturerscheinungen. Nicht UFOs waren seine Leidenschaft, sondern gewöhnlichere Anomalien. Corliss sammelte seltsame Wetterphänomene und ging gegen den Glauben an die exakte Wissenschaft vor, den er längst verloren hatte, als er 1988 eine Preisverleihung in London...
Für das Wiedersehen nach zwanzig Jahren lässt die Paderborner Intendantin Katharina Kreuzhage ein Filmset auf der Bühne aufbauen. Scheinwerfer werden von zwei Schauspielern herein gerollt. Die Frau, die Leyla spielt, wartet an der markierten Stelle, bis sich plötzlich ein Schwall Wasser aus dem Schnürboden ergießt. Jetzt kann sie vom Regen durchnässt dem Mann im...
