Paderborn: Wohltemperiert und eingedimmt
Für das Wiedersehen nach zwanzig Jahren lässt die Paderborner Intendantin Katharina Kreuzhage ein Filmset auf der Bühne aufbauen. Scheinwerfer werden von zwei Schauspielern herein gerollt. Die Frau, die Leyla spielt, wartet an der markierten Stelle, bis sich plötzlich ein Schwall Wasser aus dem Schnürboden ergießt. Jetzt kann sie vom Regen durchnässt dem Mann im Anzug gegenübertreten, der heute ein angehender Minister ist – und vor zwanzig Jahren als halbstarker Junge mit ihr ins Freibad eingebrochen ist.
Der heißen Sommernacht, die Roland Schimmelpfennig in «Das schwarze Wasser» entstehen lässt, vertraut Kreuzhage leider nicht. Indem die Regisseurin immer wieder versucht, das Flüchtige des Erzählten zu illustrieren, zerstört sie das erzählerische Potenzial, wenn sie beispielsweise die Dönerbude als drehbaren Container auf der Bühne erscheinen lässt. Da stehen dann ihre acht Schauspieler und chargieren, während einer mit der Gitarre türkische Klänge imitiert und eine Leuchtschrift flackert. Im nächsten Augenblick wird aus der Dönerbude das herrschaftliche Wohnzimmer des Ministers, Sessel stehen im Kubus, an der Wand leuchtet transparent das Bild eines Kamins nebst bürgerlicher ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Alexander Kohlmann
Gala Othero Winter trägt ein gestreiftes Schlauchkleid, eine Bomberjacke und eine rote Wollmütze. Die perfekte Mischung aus aggro und mädchenhaft, zart und hart. Zwischen ihren Fingern ein Zahnstocher, den sie am Ende des Gesprächs in kleine Späne zerteilt haben wird. Sie redet schnell, atemlos, ohne Dialektfärbung, aber ein wenig nachlässig, verschleift die...
Wer würde schon ein Interview mit Edward Snowden ablehnen? Es war der meistgesuchte Whistleblower der Welt höchstpersönlich, der Regisseurin Angela Richter kontaktierte, nachdem sie mit ihrer crossmedialen Inszenierung «Supernerds» über die Avantgarde der Netzaktivisten in Austin/Texas auf Gastspiel gewesen war. Das Gespräch mit ihm steht im Zentrum ihrer neuen...
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The hours now come. Horst Statkus war immer Dramaturg, manchmal Regisseur und sechsundzwanzig Jahre lang Intendant in Heidelberg, Basel und zuletzt in Luzern. Seit sechzehn Jahren lebte er mit seiner Frau, der Schauspielerin Elke Stoltenberg, wieder in Heidelberg. Nie hat er...
