Katastrophenmärchen
Ein bisschen fühlt man sich wie beim Weihnachtsmärchen in der Schulaula. Auf dem Programm steht philosophische Pflichtlektüre: «Candide oder der Optimismus» nach Voltaire, szenisch eingerichtet – mehr kann man das nicht nennen – von der Regisseurin Friederike Heller und dem Dramaturgen Andreas Karlaganis.
Auf schräger Ebene vor gut ausgeleuchtetem Rundhorizont hat sich, wie häufig bei Heller-Inszenierungen, eine Abordnung der Hamburger Band Kante rund um Peter Thiessen platziert, aus dem Schnürboden baumelt an Fäden ein Sammelsurium aus buntem Plastikkrimskrams (Bühne: Sabine Kohlstedt), und das fünfköpfige Ensemble postiert sich erst einmal vorn an der Rampe wie das Lehrerkollegium vor den Erstklässlern und fragt in die Reihen, warum nur ein derart seltsames Wesen wie der Mensch geschaffen worden ist.
Zu dieser nicht wirklich weiterführenden Frage (bei Voltaire richtet sie der Hardcore-Optimist Pangloss gegen Ende an einen türkischen Derwisch, der treffend pariert «Was geht dich das an?») gesellen sich bald weitere: Macht es zum Beispiel Sinn, die vorgeschützte Naivität des notorischen Spötters Voltaire zum Prinzip einer über weite Strecken naiv-illustrativen Nacherzählung zu ...
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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik: München, Seite 52
von Silvia Stammen
Paulus Manker, Schauspieler und Theatermacher vor allem in Wien, ist seit dem umfassenden, mit Bildmaterial und Dokumenten reichlich ausgestatteten sowie kompetent kommentierten Theaterbuch über seinen Vater Gustav Manker auch ein passionierter Theaterhistoriker. Ihn treibt die Frage, ob Theaterleute, die 1933 nicht gezwungen waren, ins Exil zu gehen, nur...
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor...
Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für...
