Jenseits der Tränen
Wieviele Leben stecken in einem Leben?
Manchem hätte es schon für’s ganze Dasein gereicht, was der gebürtige Ungar György Tabori in seiner Budapester Kindheit, in seinen jungen Jahren in Berlin und dann in der Emigration als Auslandskorrespondent und als Mitarbeiter des britischen Secret Service (Deckname: Captain George Turner) auf dem Balkan, in Istanbul, Jerusalem und Kairo erfahren hat.
Diese Zeit von 1914 bis 1943/44, bis Tabori nach London zurückkehrte und zum englischsprachigen Romanschriftsteller wurde, sie ergibt mit zwei Weltkriegen und einer halben Weltrevolution, mit dem Holocaust und der Atomspaltung schon eine Epoche. Da war György, der bereits George Tabori hieß, gerade 30 Jahre alt.
Seine Reise führte ihn bald darauf nach Kalifornien, Stichwort: Hollywood, und nach New York. Für zweieinhalb Jahrzehnte. Das war sein zweites Leben. Doch als seien dies bloß die Lehr- und Wanderjahre gewesen, begann George Taboris drittes Leben in Deutschland, im deutschsprachigen Theater erst um 1970. Begann mit 56 Jahren – also exakt in dem Alter, in dem Adolf Hitler, der Taboris Vater in Auschwitz ermorden ließ, einst seine Weltkarriere im Bunker unter Berlin beendet hatte. Eine Pointe ...
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