Jenseits der Silver Age
Auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände steht ein riesiger Sperrholzkasten: «Machina Recordatio», ein stilisierter Schalltrichter, aus dem brüchige Stimmen dringen. Unzählige Interviews sind das, mit alten Menschen aus Dresden, Berlin und Hamburg, und in der «Erinnerungsmaschine» lassen sie sich abrufen, geordnet nach Stichworten von «Abbauen» über «Frauengruppe» bis «Zwischenmenschliches».
Das ist meist warmherzig, stellenweise witzig, manchmal unspektakulär, vor allem aber ist es ein kluger Einstieg in den Kampnagel-Themenschwerpunkt «Old School – Von Alten lernen», der ein verlängertes Pfingstwochenende lang mit Theater, Installationen und einem Symposium die Beziehungen zwischen Alter und Bühne erkundet.
Dass Alter, Krankheit, Verfall und Tod Themen sind für die freie Theaterszene, ist spätestens seit dem Theatertreffen-geadelten «Testament» von She She Pop bekannt. Aber auch Kampnagel kann sich nicht ganz um die Fallstricke drücken, die die Arbeit mit Alter so mit sich bringt. Anja Paehlke von der Hamburger Körber Stiftung etwa führt in ihrem Vortrag über «Altersbilder» aus, dass in der öffentlichen Wahrnehmung gerade mal drei Images für Alter existieren: der gesichtslose, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2013
Rubrik: Magazin: Demografie, Seite 68
von Falk Schreiber
Da sind wir definitiv schon leidenschaftsärmer begrüßt worden in den mehr oder weniger heiligen Theaterhallen: «Das Publikum, das Publikum, das Publikum», schnarrt ein whitegefaceter Empfangschef mit dunklem Anzug und ebensolchem Oberlippenbärtchen in Endlosschleife den Menschen entgegen, die sich von der Kastanienallee aus in den Prater drängeln. Handelt es sich...
Heimkommen kann traumatischer sein als Aufbrechen. Wut und Schwung sind aufgebraucht, die kühnsten Träume haben sich in Asche verwandelt, und die Kräfte reichen gerade noch, um ins kalte, längst nicht mehr gemachte Bett zurückzukriechen – so es irgendwo noch so etwas wie ein Elternhaus gibt – oder sich auf dem Familiengrab einschneien zu lassen. Zumal, wo sich die...
Naz muss sich von Indien nach London durchschlagen und findet als moderner Sindbad Trost und wohl auch Ermutigung bei dessen Geschichten. Er ist «Der Junge mit dem Koffer», in Mike Kennys Stück ein Entwurzelter schon in jungen Jahren. Die Produktion des Schnawwl Mannheim ist nicht nur Beleg dafür, dass sich auch im Kindertheater der Blick in die Welt weiten kann,...
