Jeder kann alles

Edgar Hilsenrath «Der Nazi und der Friseur» am Theater Magdeburg

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Als der dem KZ entkommene Jude Edgar Hilsenrath, geb. 1926, Ende der 60er Jahre für seinen Roman «Der Nazi und der Friseur» einen deutschen Verlag suchte, hagelte es Absagen: Tollkühn erschien der Versuch, den Holocaust aus der Perspektive des Täters zu erzählen, unzumutbar die Geschichte des Massenmords als wilde, pornografische Kasperlegroteske. In den USA erschien der Roman 1971, ein Millionenerfolg, auf Deutsch erst sechs Jahre später in einem kleinen Kölner Verlag.

Bis heute hat er nicht annähernd so viele Leser gefunden wie Bölls und Grass’ um einiges bravere Aufarbeitungsanstrengungen, denen solche Wagnisse in Ästhetik und Perspektive vermutlich erst recht nie verziehen worden wären. Für Hilsenrath war der verordnete Philosemitismus der Nachkriegsjahrzehnte nichts anderes als ein kaschierter Antisemitismus, den er zur Verspottung freigab.

In «Der Nazi und der Friseur» sind Juden nicht zwangsläufig nette Menschen und Max Schulz, der Nazi und Massenmörder, ist ein Schwein und Opportunist wie jeder andere auch. «Verhinderte» wie er, die «was aufs Dach gekriegt haben», werden zu Massenmördern, wenn das System es verlangt, und mit denselben Fertigkeiten zu Freiheitskämpfern im ...

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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Barbara Burckhardt

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