In der Schifffahrtszone

Lena Lauzemis, seit vier Jahren im Ensemble der Münchner Kammerspiele, spielt im ersten Spielfilm von Andres Veiel die junge Gudrun Ensslin. Porträt einer Ernsthaften. von Barbara Burckhardt

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Um 8.30 Uhr hatte Lena Lauzemis das Treffen im Pressebüro der Münchner Kammerspiele angesetzt. Ziemlich früh für eine gerade mal 28-Jährige, die am Vorabend noch gespielt hatte: eine von acht Liebeshungrigen in Andreas Kriegenburgs Szenensample zur Aussichtslosigkeit aller Sehnsucht «Alles nur der Liebe wegen».

Sie hatte sich lange, lange im Hintergrund gehalten an diesem Abend, an dem die Kammerspieler, einer immer noch großartiger, verzweifelter, komischer und trauriger als der andere, um die Liebe buhlten, aneinander vorbei und ins Publikum hinein, oft ganz vorne, den Blick in die Reihen gerichtet. Lena Lauzemis blieb hinten, abgewandt, im Profil, und bewegte stumm die Lippen, während Wiebke Puls an der Rampe darum flehte, dass ihr einer einen Stern vom Himmel holen möge oder doch wenigstens auf ihr Handy lachen.

Wenn auch die Jüngste sich endlich aufmacht zum Versuch von Liebe, wird immer aufs Neue der Unmöglichste gewählt: der alte Mann zum Beispiel, Walter Hess, der seit 35 Jahren an derselben Stelle in Kriegenburgs prächtigem rosa Säulensaal der Vergeblichkeit auf eine Frau wartet, auf eine andere als sie. Den schleppt die einsame Luxuriöse ab, die sie in diesem Moment ist. ...

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Theater heute März 2011
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Barbara Burckhardt

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