Im Selbsttäuschungsrausch
Chapeau: Die provinzielle Elite sieht noch schlechter aus als erwartet. Vom Schulrat, der ausschließlich verhaltensauffällige Pädagogen beschäftigt, über den Kreisarzt, der der Landessprache nicht mächtig ist, bis zum Richter, der sich hier mit «Windspielen» bestechen lässt, warten die städtischen Regierungsorgane im mehltaufarbenen Einheitslook auf. Der grünliche Lichtkegel beseitigt auch den letzten Zweifel, dass dieses Zombie-Kabinett über die Dienstjahre hinweg kontinuierlich Schimmel angesetzt hat.
Jetzt sind die prächtig blühenden Fäulniskulturen und Korruptionssümpfe allerdings in akuter Enthüllungsgefahr, da – wie es Nikolaj Gogols gleichnamiger Komödienklassiker bekanntlich will – ein «Revisor» das Städtchen heimzusuchen droht. Inkognito, versteht sich.
Während die Nachricht beim Gros der Würdenträger höchst stimulierend auf die Darmperistaltik zu wirken scheint (man verrenkt sich jedenfalls kollektiv in schwer mitleiderregenden Stuhlverhaltungschoreografien), glauben die Gutsbesitzer Dobtschinskij und Bobtschinskij – eine Art personifizierte zaristische Yellow-press-Antizipation –, das Prüfungsorgan beim jüngsten Wirtshausbesuch bereits entdeckt zu haben; und zwar im ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Christine Wahl
Eigentlich ein ganz sympathischer Gedanke: Was die Welt im Innersten zusammenhält ist – nichts. Hinter und zwischen den Menschen, Dingen und Verhältnissen regiert kein verborgener Zusammenhang oder sonstige Bestimmungen höherer oder tieferer Art, sondern der reine Zufall. Und wer doch ein bisschen Großstruktur und Zielrichtung braucht, muss äußerst bescheiden...
Lange muss Elektra warten, bis sich ihre Racheträume an der eigenen Mutter erfüllen. Karin Henkel hat sich in Zürich die attische Familienmetzelei neu angesehen – und zwar von zwei Seiten!
Peter Fitz war seinen Mitspielern wie Bernhard Minetti oder Otto Sander immer ein großer Zweiter, der den Ersten jederzeit über den Kopf wachsen konnte. Ein Nachruf
Über ein...
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