Im Mauerschwindel

Der Aktionskünstler Philipp Ruch und das Berliner Gorki Theater schwanken zum 9. November über abschüssigen Vergleichen

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Die Idee von Aktionskünstler Philipp Ruch und seinem «Zentrum für politische Schönheit» war von Anfang an im wahrsten Sinn grenz-wertig. Um auf die unhaltbaren Zustände an Europas Außengrenzen aufmerksam zu machen – wir lassen regelmäßig von Schleppern betrogene Menschen im Mittelmeer ertrinken und bewehren unsere Wohlstandsburg mit Stacheldrahtzäunen und Frontex Security –, kam Ruch auf eine äußerst zweischneidige Parallele zur Berliner Ex-Mauer. «Die Mauertoten», so erklärt Ruchs website www.politicalbeauty.

de, seien in einem «Akt der Solidarität» zu ihren Brüdern und Schwestern an die EU-Außengrenzen geflohen. Zu diesem Zweck wurden pünktlich zum 9. November die 14 weißen Mauerkreuze abmontiert – sprich: geklaut –, die im Berliner Regierungsviertel an die 138 Menschen erinnern, die an der Mauer gestorben sind. Sie seien stattdessen auf dem Weg zu den Menschen, die als nächstes durch die EU-Außengrenzen sterben würden, hieß es.

Ganz abgesehen von der mächtig schwankenden Vergleichsebene, auf der diejenigen, die aus der DDR-Diktatur hinaus wollten, mit denen gleichgesetzt werden, die in die EU hinein wollen, ob man also gefangen gehalten oder an der Einreise gehindert wird, ...

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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille

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