Ich ist kein Luxus
Am liebsten hätten sie veganes Theater!», spottete Frank Castorf zum Theatersaisonauftakt im Berliner «Tagesspiegel» und meinte damit, nun ja, auch sein Publikum. Während die nach wie vor an den Rosa-Luxemburg-Platz pilgernden Bewohner von Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Mitte in Sachen Kunstkonsum gewissermaßen omnivor aufgestellt sind, gestalten sie nämlich ihr eigenes Leben lieber möglichst sicher, moralisch korrekt und gesund.
Seit Jahren schon schimpft der nach Roberto Ciulli zäheste Inhaber eines Intendantensessels auf den zugewanderten neuen Mittelstand, der seine Kraft vor allem der Politur seiner Luxus-Ichs widmet und dessen politische Teilhabe sich im Kauf von Bioprodukten erschöpft. Lau ist das neue Cool: nicht schlecht gebrüllt, Castorf!
Der Volksbühnenchef zahlt es seinen Zuschauern heim mit Céline und Malaparte, mit Autoren also, die sich noch die Finger beim Spiel mit den ideologischen Feuern des guten alten 20. Jahrhunderts verbrannten. Wer aber schaut in die seelischen Abgründe der weichgespülten Zeitgenossen? Wird daraus zwangsläufig «veganes Theater»?
Fluch der Selbstkontrolle
Falk Richter hat sich geradezu spezialisiert auf die Gefühlsgemengelage der Generation ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt
Vier Tage nach der Saisoneröffnung im Deutschen Theater Berlin wurde rund um die Hauptstadt in Brandenburg gewählt. Und, oh Schreck, die ziemlich neue nationalkonservative Partei mit dem kraftvollen Namen «Alternative für Deutschland» wilderte für ihre 12 Prozent nicht nur kräftig in der Stammwählerschaft der CDU, sie bediente sich auch bei sämtlichen anderen...
Ein stilles Haus, dieses Schauspielhaus. Eines, in das die Wanduhr zur vollen Stunde wie eine Totenglocke einschlägt, und wo jedes «Lebehoch» unschicklich klingt, sogar zum Namenstag der jüngsten Tochter. Die Zürcher Intendantin Barbara Frey hat dieses Haus zu Spielzeitbeginn Anton Tschechows «Drei Schwestern» eingerichtet, natürlich lungert dort die örtliche...
Der Sekretär kam nicht. Da saßen sie nun am 13. Oktober 1989 im Intimen Theater Schwedt, um mit dem SED-Genossen Hahn und der Kreis- und Bezirksleitung über die kulturpolitische Ausrichtung des Theaters zu sprechen. Das Ensemble war da, Techniker und natürlich Intendant Klaus Tews und seine Oberspielleiterin Tatjana Rese, in gewisser Weise die Auslöser für das...
