Gerechte Verbrechen, offene Versprechen
Ein stilles Haus, dieses Schauspielhaus. Eines, in das die Wanduhr zur vollen Stunde wie eine Totenglocke einschlägt, und wo jedes «Lebehoch» unschicklich klingt, sogar zum Namenstag der jüngsten Tochter. Die Zürcher Intendantin Barbara Frey hat dieses Haus zu Spielzeitbeginn Anton Tschechows «Drei Schwestern» eingerichtet, natürlich lungert dort die örtliche Offiziersclique rum, verquarzt die ohnehin dicke Luft, und noch natürlicher war früher mehr los in diesem Provinzstadtsalon, früher hätte ein hübsches Mädchen wie Irina unter 30 Kavalieren wählen können.
Heute sind es anderthalb, scherzt Mascha. Was weder als Scherz ankommt noch so gemeint ist, so übellaunig kehrt Sylvie Rohrer, die mittlere Tschechow-Schwester, der Gesellschaft den Rücken zu.
Mascha: Das ist die, deren Gatte Kulygin (Nicolas Rosat) so pädagogenschlaff daherplaudert, dass sie sich Stefan Kurts halbwegs schneidigem Batteriechef Werschinin an den Hals wirft. Ein Ehebruch in den abseitigen Winkeln von Bettina Meyers Drehbühne verbreitet immerhin einen Schimmer Lebensfreude.
Derweil verkriecht sich Irina bei Dagna Litzenberger Vinet unrettbar in ihr Gefühlsvakuum. Wenn der Flegel Soljony (Milian Zerzawy) sie ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Stephan Reuter
Der Anfang Oktober dieses Jahres im Alter von 97 Jahren in einem Moskauer Krankenhaus verstorbene Juri Ljubimov gehörte zu den großen Regisseuren des sowjetrussischen Theaters in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Er wurde als Schauspieler und Schauspielpädagoge in einem Studio des Wachtangow-Theaters ausgebildet, an dem er in den frühen 1960er Jahren...
Dänemark wird ausgeleuchtet bis in den letzten Winkel. Und der Zuschauer hat trotzdem keinen Überblick: Er sitzt vor einem schwarzen Kasten mit den Gruselbuchstaben «Helsingör» drauf und sieht nur die manipulierten Kamerabilder auf Split Screens (Kamera-Konzept/Video-Art/Programming/Live-Schnitt: Daniel Hengst). Nur ab und zu stolpert mal ein Schauspieler heraus....
Es geht das Gerücht, das Berliner Gorki Theater sei die erste Migrationshintergrundlagenforschungsbühne der Republik. Was für ein Missverständnis! Es geht dort jetzt um deutsche Mythen, siehe «Nibelungen».
Theaterbücher haben es bei der Kundschaft traditionell schwer. Nur zu Weihnachten geht’s ein bisschen leichter – ein Überblick über wichtige Neuerscheinungen des...
