Hula-Hoop bei Tel-Aviv

Das 7. Festival für internationale Dramatik F.I.N.D. setzt einen Schwerpunkt mit junger israelischer Gegenwartsdramatik

Theater heute - Logo

In der Videoarbeit «Barbed Hula» aus dem Jahr 2000 gelingt der israelischen Künstlerin Sigalit Landau, 1969 in Jerusalem geboren, ein eindringliches Bild: Die nackte Künstlerin steht auf einem weiten Sandstrand. Man hört das gleichmäßige Rauschen der Wellen, während ihr in Zeitlupe drehender Rumpf einen Reifen auf Hüfthöhe balanciert. Rauschendes Strandidyll und Mädchenspiel scheinen wie eins, natürlich, gottgegeben. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass dem brutalen Bildausschnitt – Kopf und Beine bleiben ausgeblendet – eine ebenso brutale körperliche Tortur entspricht.

Der Reif ist aus Stacheldraht gewirkt und auf dem bleichen Frauenkörper zeichnen sich rote Male ab.

Der knapp zweiminütige Video-Loop der mehrfach ausgezeichneten, auf der documenta 10 vertretenen Künstlerin ist hinsichtlich der gesellschaftlichen Situation Israels und Palästinas ebenso vielschichtig zu deuten wie auf existenzielle wie gender- und biopolitische Kontexte hin zu befragen. Er zeugt von der Energie einer ganzen Reihe von jungen, insbesondere weiblichen Künstlern, die in den letzten zehn Jahren weit über die Grenzen ihres Landes hinaus zumeist mit installativen und performativen Arbeiten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2007
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Max Glauner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Riskante Reise

Wer selbst beim Theatertreffen jahrelang mitjuriert hat, kennt das Haut-die-Jury-Spiel vom eigenen Buckel. Im Grunde ist es müßig: Denn immer haben sich die Juroren bei ihren verwickelten Entscheidungsprozessen etwas gedacht. Aber manchmal fragt man sich doch: was eigentlich? Warum haben sie sich unter den drei «Orestien» der Saison (Berlin, Leipzig, Frankfurt)...

Theaterheimat

Was ist bemerkenswert? Neben all dem wunderbar gespielten und intelligent durchdachten Großstadttheater, das die Theatertreffen-Auswahl wie jedes Jahr beherrscht, sollte man auch bemerken, dass das deutsche Stadttheater gelegentlich ein paar Anstrengungen unternimmt, um aus seinem Lieblingsbereich, dem intellektuell aufgeschlossenen Spätbürgertum, auszubrechen und...

Blind Date mit Freunden

Der Verwaltungsrat der Zürcher Schauspielhaus AG sprach von bis zu dreißig ernstzunehmenden Bewerbungen für die künstlerische Direktion. In der Schweiz heißt der Posten offiziell nicht Intendanz, weil die höfische Tradition fehlt und damit auch dieser Begriff. Bedenkt man, wie wenig die Findungskommission in acht Monaten gefunden hat, darf man durchaus von feudalen...