Hörbares Elend
Schlimmer geht’s nimmer: Debbie Tucker Green verschränkt in «Stoning Mary» drei Elendsgeschichten aus – vermutlich – Afrika: Ein Ehepaar streitet um das einzige Rezept gegen Aids; ein anderes Ehepaar bejammert seinen verlorenen Sohn, der als Kindersoldat kämpfen muss; eine junge Frau – Mary – soll für einen Mord gesteinigt werden und spricht vorher mit ihrer Schwester. Alle drei Geschichten hat Green geschickt verflochten, und erst am Ende stellt sich das Missing Link heraus: Marys Mord galt dem Kindersoldaten, der das aidskranke Ehepaar ermordet hat.
Die Gräuel-Trilogie handelt jeweils von Situationen, welche die Moral schon hinter sich haben: Wo der Tod des einen das Überleben des anderen sichert, wo das Kind zum Feind wird, wo ein Mord Gerechtigkeit bedeutet. Die Dialoge bleiben dennoch demonstrativ banal, was soll man auch schon sagen, wenn es nichts mehr zu sagen gibt. Laut Regieanweisung spielt das Stück jeweils «in dem Land, in dem es aufgeführt wird», und «alle Personen sind weiß». Danke, verstanden: Wir sollen an der westeuropäischen Haut erleben, wie es ist, wenn es so ist.
Regisseur Benedict Andrews hält sich allerdings demonstrativ zurück: 13 Schauspieler sitzen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der «Räuber Hotzenplotz» ist immer noch die perfekte Kindergeschichte. Zwar verweisen gestohlene Kaffeemühlen, vertauschte Mützen und strafweises Kartoffelschälen heutzutage nur noch bei den Allerkleinsten auf die wirklichen Abgründe des Lebens. Aber die Mischung des Identifikationspersonals und ihrer entsprechenden Prinzipien lässt auch Grundschulkindern nichts...
Prix Olympic
Nein, da irrt Peter Zadek. Nachdem er nicht zur Verleihung des «Europäischen Theaterpreises» nach Thessaloniki gekommen war, wurde ihm das Preisgeld von respektablen 30.000 Euro schlicht gestrichen. Die anwesenden Gremien-Granden der «Internationalen Vereinigung der Theaterkritiker», angeführt von Georges Banu, wollten es so. Zadek teilte...
Man hat es nicht leicht als Kind von 68ern. Wie furchtbar es ist, im Trubel der Zeitläufte weitgehend ignoriert zu werden, musste sich irgendwann in Theaterstücken bemerkbar machen und kam spätestens dann zum Vorschein, als die heute Dreißigjährigen sich dem Phänomen nicht greifbarer Eltern widmeten – zum Beispiel Rebecca Kricheldorf mit der «Legende vom...
