Der venezolanische Musiker und Produzent ARCA, 1990 als Alejandro Ghersi in Caracas geboren; Foto: Ben van Duin/Ruhrtriennale 2017
Hello DJ, my old friend
Man darf sich nicht länger umschlungen fühlen. Nach drei Jahren hat der menschenfreundliche Gruß als Motto ausgedient. Das herzlich-humanistische Festival, als das sich unter der Leitung von Johan Simons die Ruhrtriennale präsentierte, hat auch in seiner letzten Saison versucht, die Menschen des Ruhrgebiets als eine besondere Menschheit zu adressieren – eine, die von Schiller und Beethoven noch erreicht und erhoben werden kann.
Und Schiller und Beethoven führen natürlich direkt zu der Verpflichtung, Community und Menschheit über die Musik-Theater-Verbindung herzustellen.
Schon bei Vorgänger Heiner Goebbels lag ja der Akzent der Ruhrtriennale auf den verschiedenen Versuchen, die aktuellen Musiktheater-Versionen zu überdenken. Dem klaren Programm von Goebbels, über die Rekonstruktion und Wiederaufführung von den letzten großen Opern und Musiktheaterwerken der Neuen Musik der Hoch- und Nachmoderne, mit Nono, Cage, Außenseitern wie Partch und viel Minimal Music einen Boden zu gewinnen, auf dem sich Zeitgenössisches entwickeln sollte, steht bei Simons ein Mischprogramm gegenüber, das sich nicht auf einen einzelnen vorherrschenden Gedanken bringen lässt (und gern auch ältere Opern ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Festivals, Seite 30
von Diedrich Diederichsen
Menschen von außerhalb, also Nichtberlinern, derzeit das Berliner Theater zu erklären, ist selbst für geübte Theaterberliner nicht so einfach. Einerseits strotzt die zumindest quantitativ betrachtet unangefochtene deutsche Theaterhauptstadt vor ungebrochenem Traditionsbewusstsein und gummiharter Beharrungskraft – Oliver Reese startet am Berliner Ensemble, wie sein...
Die Vorgeschichte
Im Mai 2017 nahm Kirill Serebrennikov am Gogol-Center Proben an Alexander Puschkins «Kleine Tragödien» auf. Dieses Theater hat er selbst gegründet, und in den fünf Jahren von dessen Existenz zum besten Theater Moskaus gemacht.
Im selben Monat wurde seine Privatwohnung von der Polizei durchsucht. Zunächst war der bekannte Regisseur nur als Zeuge...
Die stärkste Szene dieses «Woyzeck» hat Ulrich Rasche kurz vor der Pause platziert. Es ist die Wirtshausszene, in der die Gäste ihre Nasen schon sehr tief in die «Brandewein»-Gläser gesteckt haben oder auf dem Tanzboden gierig übereinander herfallen. Auf der Bühne hört man freilich davon nur. Die metallene Drehscheibe, die Rasche diesmal als Bühnenelement entworfen...
